YesterPlay: Atomic Bomberman (PC, Interplay Productions, 1997)

Boxart von “Atomic Bomberman”

Die “Bomberman”-Serie erfreut sich seit Ihrer Entstehung in den frühen 1990ern auf so ziemlich jedem System großer Beliebtheit. Entsprechend viele Spiele und Versionen der spaßigen Bombenlegerei existieren inzwischen, mit mal mehr, mal weniger Abweichung vom Original.

Der bis dato vermutlich ungewöhnlichste Ableger der der Reihe kam 1997, fünf Jahre nach dem dem ersten Teil, exklusiv für den PC heraus. Der neue Look fällt natürlich als erstes auf, statt in japanophiler Zeichentrickoptik präsentiert sich das Spiel hier mit vorgerenderten Sprites, ein Grafikstil der damals recht populär war und wohl eher dem westlichen Auge gefallen sollte. Denn anders als die bisherigen “Bomberman”-Spiele, die allesamt von Hudson Soft in Japan produziert wurden, stammte dieses hier von Interplay Productions in den USA, die sich bei Hudson eine Lizenz dafür besorgten.

Auch akustisch hebt sich das Spiel deutlich von bisherigen Spielen der Serie ab, die Bombermänner schlagen sich zu eher technolastiger Musik im Sekundentakt mehr oder weniger lustige Sprüche, Zitate und Imitationen um die Ohren. Was durchaus irgendwann auch etwas nervig werden kann! Auf der CD des Spiels sind übrigens weitere ungenutzte Dateien mit Sprachsamples versteckt, die Sprüche deutlich unterhalb der Gürtellinie enthalten. Ihr könnt Euch diese hier anhören. Achtung: NSFW!

Spielerisch wird das Spiel dem Namenszusatz “Atomic” voll und ganz gerecht: Anders als beim Vorgänger, in dem die Powerups noch wohldosiert einzeln pro Level gefunden werden wollten, liegen hier altbekannte und neue Powerups sprichwörtlich unter jedem 3 Stein. Entsprechend schnell fliegen die Fetzen, was zwar prinzipiell kurzweilig klingt, aber sehr schnell sehr langatmig wird.

Denn die KI in diesem Spiel ist leider übermenschlich: Ist es schon schwer genug, sich in dem Tohuwabohu auf dem Bildschirm nicht selbst mit der eigenen Bombe hoch zu jagen, macht es einem das scheinbare Allwissen der CPU-Gegner nicht gerade leichter. Diese wissen nämlich scheinbar immer, wessen Bombe welche Reichweite hat, wann genau sie explodiert, etc. Diese “Superkraft”, gepaart mit wirklich pixelgenauen Bewegungen, verschafft den computergesteuerten Bombermännern einen kaum zu schlagenden Vorteil gegenüber den menschlichen Kontrahenten.

Was leider allzu häufig, vor allem bei mehr als 3 CPU-Spielern, zu folgendem Szenario führt: Menschliche Spieler scheiden bereits recht früh im Match aus, dass sich dann zwischen den gleichwertigen CPU-Bombern so lange hinzieht bis das Zeitlimit erreicht wurde und schließlich unentschieden endet. Während man als Spieler nur dasitzt, sich die irgendwann doch hinlänglich bekannten Sprüche anhört und hofft, dass es nun bald weiter geht.

“Saturn Bomberman” mit 10 Spielern

Der Action ist leider jeglicher Storymodus zum Opfer gefallen, es gibt niemanden zu retten, keine Bosse zu besiegen, etc. Der bockschwere Einzelspielermodus ist also bestenfalls als Trainingsmodus für Mehrspielerpartien zu verstehen, worauf klar der Schwerpunkt des Spiels liegt: Bis zu 10 Spieler können sich gleichzeitig lokal an einem oder an bis zu 5 PCs im (IPX-)Netzwerk bekriegen! Meines Wissens unterstütze bis heute ansonsten nur die Saturn-Version vom “Bomberman” so viele Spieler, von den nur in Asien erschienenen Online-Ablegern vielleicht mal abgesehen.

Das Spiel wurde heuer 20 Jahre alt, fast so lange dürfte es her sein, dass ich es zum letzten Mal gespielt habe. Warum, wurde mir schnell und schmerzlich wieder bewusst, als ich die meiste Zeit Däumchen drehend vor dem Bildschirm saß und den CPU-Gegnern bei ihrem irrwitzigen Ringelreihen im Bombenhagel zuschaute. “Atomic Bomberman” ist sicher ein interessanter Ableger der Reihe, aber sicher nicht der beste, schon gar nicht, wenn man vornehmlich alleine spielt. Dieses Spiel spielt man am besten mit ein paar Freunden. Oder gar nicht.

P.S.: Mir fiel eben auf, dass das Introvideo versehentlich der digitalen Schere zum Opfer fiel. Wird nachgereicht!

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YesterPlay: Rise Of The Robots (MS-DOS, Mirage Software, 1994)

“Rise Of The Robots” Boxart der PC-Version

Ich habe es in meiner Vorstellung der Mega-Drive-Version dieses Spiels ja bereits erwähnt, als ich darauf hinwies dass diese leider nicht einmal die schlechteste Version sei und es noch schlimmer ginge… Taadaa: Die MS-DOS-Version!

Dabei macht das Spiel, wenn man es zum ersten Mal startet, einen geradezu phänomenalen Eindruck: Die Story und der ganze Spielverlauf wird eindrucksvoll durch eine Reihe vorgerenderter Sequenzen erzählt und weitergeführt, die seinerzeit durchaus noch Eindruck schinden konnten. Generell dürfte es optisch die schönste Version des Spiels sein, was der im Vergleich zu den Konsolen höheren Auflösung zu verdanken ist. Besitzer der Disketten-Version mussten übrigens auf das Intro verzichten und sich mit ein paar Standbildern begnügen.

Leider enden hier auch schon die Vorzüge der PC-Version. Alle!

Was den Sound angeht, würde ich jederzeit die Mega-Drive-Version vorziehen. Musik sucht man hier nämlich abseits des Intros vergeblich, das Spiel beschränkt sich hauptsächlich auf Kampf- und Hintergrundgeräusche.

Das berühmte Gamepad der Firma Gravis für den PC

Extrem übel ist hier die Steuerung umgesetzt, gerade im Vergleich zu den 16-Bit-Konsolenversionen: Das Spiel ist, wenn man es mit Joystick oder Gamepad spielen möchte, allen ernstes auf 2 Buttons beschränkt! Einen für Attacken, einen für Blocks. Das mag beim Commodore Amiga noch angemessen gewesen sein, am PC waren 1994 mindestens 4 Buttons Pflicht, seit 1991 das berühmte Gravis Gamepad auf den Markt kam. Die Stärke der Angriffe wird übrigens durch die Dauer des Tastendrucks bestimmt, eine völlig unpraktikable Methode, besonders für ein Prügelspiel.

Und ansonsten ist leider auch hier alles schlecht, was auch bei der Mega-Drive-Variante nicht gut ist:

  • Die KI ist strunzdumm, dafür aber saustark.
  • Die Charaktere sind nicht die Bohne ausbalanciert.
  • Es gibt keine Continues,
  • Spieler 1 ist immer auf dem Cyborg beschränkt, selbst im 2-Spieler-Modus
  • etc.

Immerhin ist das Gitarrenriff im Intro, das den groß beworbenen Soundtrack von Brian May (Ex-Queen-Gitarrist) darstellt, hier besser und länger zu hören.

Das Spiel wurde seinerzeit auf 3DOs 3DO, Commodores Amiga und CD32, Phillips CD-i, Segas Game Gear und Mega Drive und Nintendos Super Nintendo Entertainment System umgesetzt. Darüber hinaus existiert eine geplante Version für Segas Mega-CD und ein Prototyp eines ebenfalls unveröffentlichten Spielhallenautomaten. Es gab also mehr als genug Gelegenheiten, zumindest eine gute Version zu veröffentlichen. Sie wurde nie genutzt…

Auch nicht für den einige Monate später veröffentlichten, PC-exklusiven und limitierten “Director’s Cut” des Spiels, der um eine zweite CD mit allerlei Bild- und Videomaterial aus der Entwicklung des Spiels erweitert wurde. Die erste CD enthielt leider das gleiche, schlechte Spiel wie zuvor.

Vermutlich aus diesem Grund ist das Spiel bis heute nicht auf Steam, GOG und dergleichen wieder veröffentlicht worden. Und das ist auch gut so! Was die vernichtenden Kritiken seinerzeit aber nicht verhindern konnten, war… unheilvolle Schweigesekunde Einen Nachfolger! Zu dem kommen wir aber ein anderes Mal.

Ach ja: In den Untiefen des Internet geistert eine inoffizielle Version für das Amiga CD32 herum, die von einem Fan etwas verbessert worden sein soll, falls ihr also stolzer Besitzer einer solchen Konsole seid, könnte das also die Version Eurer Wahl sein!

(Wunsch-)YesterPlay: Terminal Velocity (MS-DOS, Terminal Reality Inc., 1995)

An sich ist das Leben nun ja wahrlich kein Wunschkonzert. Aber hin und wieder, ganz selten mal, bekommt man doch die Gelegenheit, sich kleinere Wünsche erfüllen zu können. Z.B. wenn der DJ den Song spielt, den man sich bei ihm gewünscht hat. Oder wenn die Partnerin/der Partner das Abendessen gekocht hat, das man sich gewünscht hat. Oder wenn man, wie der Leo, immer fleißig hier mitgelesen und kommentiert hat und dafür nun den folgenden Wunschtitel hier vorgestellt bekommt (Danke, Leo!):

“Terminal Velocity” Box-Art

“Terminal Velocity”, das allererste von 3D Realms veröffentlichte Spiel, ist ein Shooter in vollem 3D und lässt sich am ehesten mit “StarFox” auf dem SNES, “Cybermorph” auf dem Atari Jaguar und mit “Descent” auf dem PC vergleichen. Es wurde von den gleichen Personen entwickelt, die früher auch für den “Microsoft Flight Simulator” verantwortlich zeichneten. Für Ihr erstes Spiel unter dem neuem Banner Terminal Reality (inzwischen nicht mehr existent) wurde die Spielmechanik aber glücklicherweise deutlich vereinfacht und voll auf Action getrimmt. Was einen astreinen Arcade-Shooter ergab!

Die Engine des Spiels zaubert sehr flottes Gameplay auf den Bildschirm, die Steuerung über Maus und Tastatur funktioniert sehr gut, noch besser in DOSBox mit einem modernen Gamepad, da kommt echtes Konsolenfeeling auf! Das Spiel liefert Action satt, entweder für einen oder für bis zu 8 Spieler im Netzwerk (nur in der CD-Version). Nur die Musik könnte dabei gerne etwas abwechslungsreicher sein.

Das Spiel erschien 1995 in 2 Versionen für den PC, zuerst auf Disketten und später auf CD. Diese Version enthielt zusätzliche Videosequenzen, einen zusätzlichen, geheimen Bonusplaneten, den Netzwerkmodus und insgesamt schönere Grafik.

Das sehr, sehr ähnliche “Fury³” für Windows 95

Einigen, die die Anfangszeit von Windows 95 aktiv miterlebt haben, wird “Terminal Velocity” vielleicht seltsam vertraut vorkommen. Das rührt vermutlich daher, dass es, mit neuen 3D-Modellen und neuen Planetenoberflächen aber ansonsten quasi unverändert, als “(Microsoft) Fury³” für Windows veröffentlicht wurde und als Demo damals sehr populär war. “Terminal Velocity” wurde davor noch ganz klassisch als Shareware mit nur einer der drei Episoden vertrieben.

“Terminal Velocity” auf dem Smartphone

Heute ist das Spiel in der CD-Version bei Steam und bei GOG als Download erhältlich, Konsolenversionen gibt es keine. Dafür wurde das Spiel aber 2015 für Android- und iOS-Smartphones umgesetzt und ist in den jeweiligen App Stores für ein paar wenige Euro zu haben:

P.S.: Falls sich jemand wundert, warum ich im Video auch nach erfolgreich beendeter Mission noch ein wenig auf Gegnerjagd gegangen bin: Am Ende des Spiels gibt es Ranking nach der Anzahl der Abschüsse, jeder zählt also. Bäume und sonstige “organische” Ziele geben übrigens Punkt-/Trefferabzug, also schont die Umwelt! 😉

Fox n Forests (PC, Bonus Level Entertainment, 2017?)

Fehlt da nicht etwas im Titel? Ja tatsächlich, heute gibt es zur Abwechslung mal kein Yesterplay, sondern etwas, das noch so neu ist, dass es noch nicht mal veröffentlicht wurde, aber trotzdem unglaublich viel Retro-Charme versprüht!

“Fox n Forests” war eine zufällige Entdeckung auf der Gamescom 2017, blieb bei mir aber nicht nur wegen seiner wunderschöne Pixelgrafik im 16-Bit-Stil und den lebhaften Farben sofort hängen. Das klassische Plattformgameplay mit RPG-Elementen (die in der Demo noch nicht verfügbar sind) und die Möglichkeit, auf Knopfdruck die Jahreszeiten zu wechseln, was ein kleines Puzzle-Element mit ins Spiel bringt, haben mich sofort begeistert.

Und dabei habe ich es zwar nicht einmal direkt vor Ort gespielt, weil ich einfach nicht gerne warte, aber was ich gesehen hatte, war mir eine Vorbestellung auf jeden Fall wert! Mit dieser unterstützt man übrigens die Entwickler bei der weiteren Entwicklung des Spiels, sie ist also eine verlängerte Crowdfunding-Kampagne, nachdem die auf Kickstarter bereits beendet ist. Dort veröffentlicht das Entwicklerstudio, Bonus Level Entertainment aus München, nach wie vor immer wieder aktuelle News zum aktuellen Stand des hoffentlich noch 2017 erscheinenden Spiels!

Alle Unterstützer des Spiels bekamen kürzlich Zugang zu dieser Demo, die ihr hier jetzt bewundern dürft. Diese bietet 2 Level sowie eine Art Hub, in dem man neue Attacken (in der Demo bereits freiheschaltet) und Zaubertränke kaufen, seine Gesundheit aufmöbeln und später auch Verbesserungen kaufen kann. Letzteres ist aber, wie gesagt, in der Demo noch nicht möglich. Dennoch bin ich jetzt noch heißer auf das fertige Spiel, es sieht nämlich nicht nur klasse aus, sondern spielt sich auch so!

Das in der Unitiy-Engine entwickelte Spiel wird definitiv für Windows (Steam- und DRM-frei!), Linux und MacOS erscheinen, ein Release auf PS4, Xbox One und Switch ist angedacht, aber wohl noch nicht sicher.

Links:

 

YesterPlay: Judge Dredd: Dredd vs. Death (PC, Rebellion, 2003)

Das Gesetz wurde in Filmen und deren Videospieladaptionen bereits von sehr vielen Charakteren vertreten, nur wenige waren dabei aber so wortkarg, konsequent und unbeirrbar wie Judge Dredd.

Nach diversen Plattform- und Railshootern ließ Rebellion Developments Ltd. den berühmten Comic-Gesetzeshüter 2003 erstmals in einem First-Person-Shooter gegen das Verbrechen und die geisterhaften Dark Judges antreten und spendierte dem Spiel dabei eine der größten Besonderheiten im Vergleich zu anderen Shootern: Um am Ende eines Levels die höchste Auszeichnung (natürlich “Judge Dredd”) zu bekommen, genügt es nicht, einfach alles Bösewichte aus den Latschen zu pusten. Stattdessen muss, ganz im Sinne der Judges, ein Bösewicht erst verhaftet und dann direkt Recht gesprochen werden, was in der Regel lebenslänglich bedeutet. Dabei ist der mürrische Polizei-Richter nicht allein auf die offensichtlichen Verbrecher und Kultisten beschränkt, auch die zahlreich in den Leveln herumlaufenden Zivilisten verhalten sich nicht immer konform den Gesetzen der dystopischen Mega-City One. So kann man also durchaus auch Leute dafür verhaften, dass sie in der Öffentlichkeit rauchen oder einfach zu dick sind.

Im Gegenzug bekommt Dredd aber auch mit den eigenen Leuten Ärger, wenn er zu viele Zivilisten tötet, man sollte also bei Feuergefechten immer darauf achten, welche Munition man im Lawgiver geladen hat, um Kollateralschäden zu vermeiden.

Damit der reine Ballerspaß aber nicht zu kurz kommt, nehmt ihr es auch immer wieder mit Vampiren und Zombies auf, bei denen sich eine Verhaftung aus naheliegenden Gründen erübrigt und die deshalb standesgemäß endgültig aus dem Leben geschossen werden dürfen.

Das Spiel ist relativ kurz(weilig), mittelmäßig schwer und leider grafisch eher unterdurchschnittlich, was wohl darauf zurückzuführen ist dass es neben dem PC noch für die Xbox, den Gamecube und die Playstation 2 herauskam. Der Comic-Charme, die futuristische Stimmung und die Action wissen aber definitiv zu gefallen!

Das gilt auch für die diversen Spielmodi, die neben der Hauptstory noch sogenannte Arcade-Level enthalten, in denen man in einem Level eine bestimmte Anzahl Gegner erledigen muss. Für Multiplayer gibt es gar einen Koop-Modus sowie diverse Modi gegeneinander.

Das Spiel wird heute noch für den PC bei Steam und GOG für jeweils ein paar Euro verkauft, die man definitiv schlechter anlegen könnte.

Ein kleiner Tip noch: Dank eines Custom Resolution Tools, was ich auch eingesetzt habe, lassen sich höhere Auflösungen als eigentlich vom Spiel unterstützt einstellen, ebenso wie Breitbildmodi.

YP80@GC2017: Zum ersten Mal auf der Gamescom

Nachdem ich es mir schon mehrere Jahre immer wieder vorgenommen hatte, jedes mal aber irgendwas andere dazwischen kam, hat es dieses Jahr tatsächlich mal geklappt: Ich war, zusammen mit einem Freund, zum ersten Mal auf der Gamescom in Köln! Ursprünglich wollten wir zu dritt dort aufschlagen, aber wie es eben so läuft, gewisse Verluste gibt es bei solcherlei Unternehmungen leider immer.

Ich hatte mir von Anfang an nur wenig konkret vorgenommen: Ich wollte ein VR-Headset ausprobieren, endlich “Super Burnout” für den Atari Jaguar spielen, von dem ich wusste dass es am Stand vom European Atari Jaguar Festival ausgestellt war. Und natürlich den Retrobereich erkunden, ganz klar! Mein Kumpel wollte eigentlich nur bei Blizzard und Wargaming vorbeischauen. Ansonsten wollten wir einfach mal Eindrücke sammeln und schauen, wie es da halt so ist. Und so fuhren wir am 26.8. in aller Herrgottsfrühe (Abfahrt 7.15 Uhr) mit dem Zug nach Köln, um uns abenteuerlustig in die Flut menschlicher Körper zu stürzen und uns zu unseren wenigen Zielen durch zu kämpfen, in der Hoffnung dabei trotzdem noch das eine oder andere mit zu bekommen

Nach einer sehr entspannten, überraschend reibungslosen Zugfahrt und ein paar Schritten (wir stiegen in Köln am Hauptbahnhof aus statt an der Haltestelle Messe) über die mit unzähligen Vorhängeschlössern dekorierte Brücke, die den HBF mit dem Messegelände verbindet, stellten wir recht schnell fest, dass mitnichten so viele Menschen, wie wir befürchtet hatten, Schlange standen, um auf die Gamescom zu kommen. Wir waren schon nach wenigen Minuten in den Messehallen und konnten unsere Tour beginnen.

In Halle 10.1 fielen uns direkt die ausgestellten Casemod-Wettbewerbsgewinner auf. Da waren einige extrem aufwendige und coole PC-Gehäuse dabei, meine Favoriten waren aber ganz klar der Iron Man  und der Dalek:

Da wir schonmal in Halle 10 waren, konnte ich natürlich nicht anders als direkt nach oben in 10.2 zu gehen und dort, mit einem kurzen Abstecher durch das Cosplay Village, die Retro Area aufzusuchen. Schon da fiel mir auf, wie viel heller, bunter und sympathischer Halle 10.2 im Vergleich zu den anderen Bereichen der Gamescom war. Für akustisch adäquate Unterhaltung sorgte, zu diesem Zeitpunkt, Tronimal mit seinem musizierenden Gameboy.

“Daytona USA” von Sega, emuliert im 8-Spieler-Modus

Schnell hatte ich den Stand vom Flipper- und Arcademuseum Seligensstadt (kurz FAMS) ausgemacht, wo neben einigen Flippern und älteren Arcadeautomaten auch mehrere vernetzte PCs samt Lenkrädern (die Pedale waren so ziemlich alle schon kaputt) aufgebaut waren, auf denen “Daytona USA” von Sega im 8-Spieler-Modus lief. (Das FAMS hat im Museum genau diese Automatenvariante für 8 Spieler stehen, deswegen finde ich es OK, dass sie zur Messe nur die emulierte Fassung davon mitbrachten, das Ding ist groß, schwer und wertvoll.) Wer mich kennt, oder zumindest regelmäßig hier mit liest, weiß: An so etwas kann ich nicht vorbeigehen, ohne wenigstens eine Runde zu spielen. 🙂 Nach ein paar Minuten war ich auch schon dran und durfte gegen 7 andere Hobbyrennfahrer antreten, von denen 2 mir das Rennen nicht immer leicht machten. Schlussendlich gewann ich aber doch, weil die Zeit abgelaufen war und ich zu diesem Zeitpunkt in Führung lag. Gerettet durch den Gong, quasi! 🙂

“Super Burnout” für Atari jaguar (Anklicken, um ein Video davon anzuschauen)

Da durch das rasante Rennen in Daytona das Benzin im Blut bereits zu kochen begonnen hatte, steuerte ich mit meinem Kumpel im Schlepptau direkt den Stand vom European Atari Jaguar Festival an, wo ich mir endlich einen lange gehegten Wunsch erfüllen konnte: “Super Burnout” spielen! Vielen Dank dafür! Seit ich in den 90ern erstmals von diesem Spiel las, war ich neugierig, ich liebe ja diese klassischen Sprite-Scaling-Rennspiele wie OutRun, Hang On, etc. Richtig heiß auf das Spiel wurde ich dann, als ich es bei Youtube erstmals in Aktion sah. Und nun, gute 20 Jahre nachdem mein Interesse daran geweckt wurde, war es endlich so weit und ich konnte zum ersten Mal einen Jaguar-Controller in die Hand nehmen (ich hätte ihn schwerer erwartet) und DAS Spiel für Ataris letzte Konsole spielen! :O

Ich verlor zwar gegen meinen Freund 2:1, aber das war mir egal. Das Spiel ist echt große Klasse und ich muss wohl doch mal zusehen, dass ich mir das Geld für einen Jaguar und zumindest dieses Spiel zusammen spare. (habe ich da eben meine Frau zusammenzucken gehört?) Ein Traum von einem klassischen Arcaderennspiel!

Bereits jetzt mit dem Vorsatz im Hinterkopf, später nochmal vorbei zu schauen, fingen wir danach an, die weiteren Hallen zu erkunden. Wir hatten kein System und liefen einfach mal, wohin die Nase gerade zeigte. Dabei hatte ich stets ein Auge auf Möglichkeiten, ein VR-Headset auszuprobieren. Tatsächlich gab es die sogar recht zahlreich, nicht nur direkt an den Ständen derer Hersteller sondern auch an denen von PC-Fertigern wie MSI, Dell, etc. Allen Möglichkeiten war aber eines gemein: Sie waren extrem gut genutzt, überall standen und saßen schon jede Menge Menschen in Warteschlangen. Da ich kein Freund solcher bin, hakte ich diesen Tagesordnungspunkt schnell ab, dafür wäre mir die Zeit einfach zu schade gewesen.

Genauso wie für das Getummel vor den Bühnen, wenn es mal wieder irgendwo etwas abzugreifen gab. Ehrlich, man hätte jederzeit mit verbundenen Augen sofort gewusst, wo es mal wieder Geschenke gab, weil die Lautstärke der Menge dort teilweise schon unangenehm hoch war. Amüsant war es trotzdem, sich das Geschehen mal aus sicherer Entfernung anzusehen. Ohne jemandem zu Nahe treten zu wollen, aber das ganze verlief haargenau wie die Fütterung unserer Hunde:

“Wollt Ihr Schleckis?” – Freudiges Schwanzwedeln und erwartungsvoll Blicke – “Gebt Pfote! / Macht Platz! / Macht Männchen!” – Hunde geben Pfote/machen Platz/Männchen – “Fein!” – Herrchen gibt Schleckis.

Analog dazu auf der Gamescom:

“Wollt ihr Geschenke!” – Bejahende Rufe und Geräusche aus dem Publikum – “Dann lasst mal etwas hören!” – Unsägliches Gejohle des Publikums – “Yeah!” – Moderator wirft irgendwas in die Menge.

Wie gesagt: Sehr amüsant. 🙂

Weniger amüsant: Wer hat denn den Trend mit diesen unnötig großen Papiertüten angefangen? Ohne Scheiss, da liefen Jungs auf der Gamescom herum, die bestanden optisch nur noch aus Kopf, Tüte und Füßen! Als ob nicht schon genug Bäume und Wälder sinnlos abgeholzt werden, müssen die Papiertaschen jetzt auch noch mindestens doppelt so groß sein wie früher? Nur damit man darin 3 Flyer, 8 Aufkleber und 2 Schlüsselbänder durch die Gegend tragen kann? Oder damit sie direkt in der nächsten Halle wieder auf Boden liegen bleiben? Fand ich gar nicht gut und ich hoffe, dass das schnell wieder aufhört!

Auch wenig amüsant waren die Essenspreise. Klar, Messe kostet immer etwas mehr, aber 6 Euro für eine Scheibe Pizza Margherita (nur so als Beispiel, um mal den Maßstab zu setzen) sind schon heftig.

“Fox n Forests” von “Bonus Level Entertainment” (Anklicken, um den offiziellen Trailer anzuschauen)

Zurück in Halle 10.1 schlenderten wir erst mal durch die Indie Arena Booth, wo diverse unabhängige Studios sozusagen unter einem Dach ihre Spiele zeigen konnten. Dort machte ich auch die erste wirklich interessante Neuentdeckung des Tages: “Fox n Forests“, ein sehr schöner und farbenfroher Action-Platformer mit RPG-Elementen in klassisch-pixeligem SNES-Style, vom deutschen Studio Bonus Level Entertainment aus München. Das Spiel kommt Ende 2017 für den PC und evtl. weitere Plattformen. Ich sah nur eine Weile zu, ohne es selbst zu spielen, was ich sah veranlasste mich aber direkt zu einer Vorbestellung, da freue ich mich echt schon drauf.

“Team Racing League” von “Gamious” (Anklicken, um den offiziellen Trailer anzuschauen)

In unmittelbarer Nähe zur Indie Arena Booth hatten Gamious ihren Stand, wo ich mir mal kurz den aktuellen Stand der Dinge zum Coop-Top-Down-Racer “Team Racing League” anschaute. Der Kollege Poly hat das Spiel auf seinem Blog vor etwa einem Monat bereits präsentiert, auf der Gamescom sah es noch genau so aus. Interessantes Spielprinzip, bei dem man im Team versuchen muss, durch geschicktes taktieren Rennen zu gewinnen. Leider ist mir das Spiel nach wie vor optisch zu eintönig und spartanisch, mir fehlt es da einfach an Farben und Details.

“Yokus Island Express” von “Villa Gorilla” (Anklicken, um den offiziellen Trailer anzuschauen)

Was man von “Yokus Island Express” von Villa Gorilla, dass wir sspäter am Stand von Team 17 entdeckten, absolut nicht behaupten kann. Hier übernimmt man die Rolle eines Mistkäfers, der auf einer malerischen Insel die Vertretung für den dortigen Postflugsaurier übernimmt. Klingt schon interessant? Bleibt auch so! Denn anstatt klassisch von Plattform zu Plattform zu hüpfen, befördert man den Käfer samt seiner Kugel hier in bester “Sonic-Spinball”-Manier über die wundervoll handgezeichnete Insel, nämlich mit Flippern und Bumpern. Instant-Wunschlisten-Kandidat, der 2018 auf PC und Konsolen erscheinen soll!

Inzwischen hatten wir auch die Messeauftritte von Wargaming und Blizzard, die allein eine halbe Halle mit je einem Stand für jedes ihrer aktuellen Spiele füllten, besucht. Wargaming, bekannt durch die Free-2-Play-Spiele “World Of Tanks” und “World Of Warships“,  hatte ebenfalls eine imposante Bühne aufgebaut, über der bedrohlich ein Panzer thronte. Aber ich bin kein Freund von Kriegsmaschinerien aller Art, egal ob das jetzt Panzer oder Schiffe sind, deswegen konnte mich das eher weniger begeistern. Bei Blizzard konnte ich endlich eine Frage, die mich schon länger beschäftigte, stellen und erhielt auch prompte und kompetente Antwort. Ich wollte nämlich wissen, wie der Name des Spiels “Hearthstone“, das mein Kumpel in sprichwörtlich (!) so gut wie jeder freien Minuten am Handy daddelt, offiziell ausgesprochen wird. Nämlich “Hartstone” oder “Heartstone”, also ohne h und “tiiäitsch”. Tägliches bisschen Bildung: Abgehakt. 😉

Irgendwann kamen wir auch in Halle 5.2 an: Der Fan Shop Area. Das war der mit Abstand volleste Bereich, den wir an diesem Tag erlebten. Obwohl es gefühlt an jedem 4. Stand das gleiche gab und gefühlt ca. 80% des Merchandise irgendwas japanisches war. Wenn ich es nicht besser gewusst hätte, hätte ich mich eher auf einer Anime- oder Comicmesse wähnen können. Was mich auch verwunderte und es nach wie vor tut: Warum kann ich auf der Gamescom alles möglich an nützlichem und unnützem Krempel kaufen, nur keine Games? Wäre so eine Videospieltauschbörse oder ein Gamesflohmarkt nicht eine sinnige Bereicherung einer Videospielmesse? Oder gab es so etwas gar und wir haben es nur nicht mitbekommen?

Das aktuelle Inspiron Gaming Laptop von Dell

Beim Messestand von Dell machte ich eine interessante Entdeckung, nämlich die (mir) neuen Inspiron Gaming Notebooks. Ich nutze schon lange Notebooks und PCs von Dell und suche aktuell etwas neueres, weil alle meine Kisten schon etliche Jahre auf dem Buckel haben. Also fragte ich sogleich die erste Dame, die ich traf, ob denn auch eine 17-Zoll-Variante davon geplant sei (als Nachfolger für mein Inspiron 17R SE). Da sie mir die Frage leider nicht beantworten konnte, verwies sie mich an andere Kollegen, die da so herum liefen und ich suchte mir den nächsten. Der war gerade in eine Runde “Tekken 7” auf einem der besagten Notebooks vertieft und so geduldete ich mich, bis diese vorbei war bevor ich ihn ansprach. Was ich mir hätte sparen können, er war so vertieft in sein Spiel dass er mich offensichtlich gar nicht wahrnahm und direkt die nächste Runde startete. Wie gesagt, ich warte nicht gerne und ich hatte auch keine Lust, jetzt nochmal jemanden deswegen anzusprechen, also nahmen wir am Gewinnspiel für eines dieser Notebooks teil (Dell hat meine Daten ja eh schon) und zogen weiter.

Ähnlich voll oder sogar noch voller wie bei den Ständen, an denen man VR ausprobieren konnte, waren auch die von populäreren Neuerscheinungen der größeren Studios. Wie gesagt, ich stehe nicht gerne in der Schlange an, deshalb schaute ich mir da so gut wie nichts an, wenn es nicht irgendwo auch auf einem Display oder einer Leinwand zu sehen war. Obwohl mich schon so einige interessiert hätten, wie. z.B. Agents Of Mayhem, ein Spin-Off der Saints-Row-Reihe von Deep Silver Volition, die Beta von DayZ, Bohemia Interactives Zombie-Survival-Crafting-Spiel, etc. Auf dem großen Centerscreen beim Messeauftritt der Xbox  konnte ich zumindest die fantastische Grafik von “Forza Motorsport 7” bewundern.

“Cuphead” von “StudioMDHR” (Anklicken, um den offiziellen Trailer anzuschauen)

Viel mehr begeisterte mich aber das nächste Spiel, das dort gezeigt wurde: “Cuphead“. Das Spiel von StudioMDHR ist ein horizontal scrollender Shooter, der optisch und akustisch alten Zeichentrickfilmen aus den 1930ern nachempfunden ist und so einen bisher einmaligen Charme entwickelt. Das Spiel soll am 29.9. für Xbox, Windows 10 und auf Steam herauskommen.

“Huntdown” von “Easy Trigger Games” (Anklicken, um den offiziellen Trailer anzuschauen)

Ebenfalls am Stand der Xbox fiel mir ein weiteres Spiel im Retrostil auf, dass es (Dank Poly, ich hatte nämlich den Namen vergessen) direkt auf meine Steam-Wunschliste geschafft hat: Huntdown, von Easy Trigger Games, ein pixeliges Actionfeuerwerk mit Multiplayermodus allererster Güte! Es soll irgendwann mal für Switch, Steam, PS4 und Xbox One erscheinen.

Der menschenleere Stand von “Shenmue 3” auf der Gamescom 2017 (Anklicken, um den offiziellen Trailer anzuschauen)

Beinahe traurig wirkte übrigens der Stand von “Shenmue 3” bei Deep Silver, die vor kurzem das Publishing für den sehnlichst erwarteten Nachfolger von Yu Suzukis Epos übernahmen. Verlassen und leer, wie die stehen gebliebenen Dosen und Flaschen, am Boden lag Müll, auf dem einzigen Screen am Stand liefen ganz andere Trailer statt dem von “Shenmue 3″… Da  hätte ich einfach mehr erwartet. Mehr Präsenz, mehr Pflege, mehr öffentliche Neuigkeiten zum Spiel.

Inzwischen hatten wir alle Hallen einmal besucht, die Füße wurden schwer und die Zeit bis zur Rückfahrt (wir hatten ein günstiges Ticket mit Zugbindung) immer kürzer. Da mein Kumpel gesehen hatte, was er sehen wollte, entschied ich, die restliche Zeit in der Retro-Area zu verbringen. Wo auch sonst? Dort ging es gerade sehr musikalisch zu, nur wenige Meter voneinander entfernt machte “DJ Altraz” mit 2 Amigas und die Combo “Melted Moon” mit mehreren Gameboys jeweils echt fetzige Chiptune-Musik!

 

Nachdem wir einige Minuten begeistert gelauscht hatten, nutzte ich eine sich bietende Gelegenheit, zum ersten Mal in meinem Leben ein PC-Engine-Spiel zu spielen, auf der Originalkonsole natürlich. Den Namen kenne ich nicht, es lief bereits und war nur pausiert, ich stieg also mittendrin ein. Wer weiß, welches Spiel das ist, möge uns den Titel bitte in den Kommentaren wissen lassen! Es war ein vertikal scrollender Shooter mit einer enormen Waffenauswahl und einer Grafik, die auch auf dem Mega Drive nicht zur schlechtesten gehört hätte. Und das auf einer 8-Bit-Konsole! Beeindruckender kleiner Kasten, diese PC Engine!

Anschließend spielte ich eine Weile am Polyplay-Automaten, dem einzigen Arcadeautomaten der in der ehemaligen DDR produziert wurde und wechselte ein paar Worte mit Senad (Ex-Retroblah, jetzt Retrokram und Presseverantwortlicher des FAMS) und Shari (von Classic Videogames). Senad ließ es sich natürlich nicht nehmen, seine berühmt-berüchtigte pinke Gameboykamera zu zücken und uns damit digital zu verewigen, die entsprechenden und viele andere Fotos findet ihr in seinem Beitrag zur Retro-Area auf der Gamescom 2017.

Wir beendeten unseren ersten Besuch der Gamescom wie wir ihn begannen: Mit einer weiteren Runde “Daytona USA” am FAMS-Stand. Ich wurde diesmal nur dritter, hätte aber vermutlich besser abgeschnitten wenn Fahrer 3 nicht ständig an meinem Auto herumgerempelt hätte. Hat aber trotzdem Spaß gemacht. 🙂

Am Bahnhof genehmigten wir uns noch einen Döner, dessen Hähnchenfleisch eher zweifelhaft durchgebraten schien und der generell eher mau und kläglich belegt war. Solltet ihr also einmal in Köln Appetit auf einen Döner bekommen, meidet das Lokal “Anadolu” im Hauptbahnhof, esst lieber etwas anderes oder sucht Euch einen anderen Döner in der näheren Umgebung.

Nachdem unsere Anreise ja verdächtig glatt lief, was ich als Ex-Bahnpendler ja überhaupt nicht so kannte, konnte die Deutsche Bahn schlussendlich ihrem Ruf auch wieder voll gerecht werden: Der Schaffner verkündete zwar kurz vor der Ankunft noch, dass alle Anschlusszüge in Frankfurt erreicht werden würden. Tatsächlich hatte unser ICE aber, ohne erkennbaren Grund, genau so viel Verspätung dass er genau so dort ankam, dass alle Reisende trotz kurzem Sprint dem Anschlusszug in Richtung Würzburg nur noch beim losfahren zuschauen konnten. Auch ein Klopfen an die Scheiben des gerade erst anrollenden Zuges änderte daran nichts mehr, wir wurden einfach stehen gelassen. Zu allem Überfluss wurde dann offenbar der RE, der eine Stunde später fuhr, zu einer RB umfunktioniert und hielt, bis auf eine Ausnahme, an wirklich jedem noch so kleinen Bahnhof entlang der Strecke. Wir kamen also mit ca. eineinhalb Stunden Verspätung zu Hause an.

Davon ließ ich mir aber die gute Stimmung nicht vermiesen. Es war ein sehr schöner und interessanter Tag, es gab viel zu sehen und zu erleben. Ich hatte echt Spaß und eine richtig gute Zeit!

Aber ob ich wiederkommen würde?

Direkt am Tag danach war ich noch der Meinung, dass ich nicht mehr unbedingt auf die Gamescom müsste. Dito mein Freund. Nicht nur wegen des zeitlichen und finanziellen Aufwands. Zu viel von dem, was dort gezeigt wurde, interessiert mich nicht, zu viel von dem, was mich interessiert hätte, konnte ich mir nicht anschauen.

Aber wenn ich so darüber nachdenke: Eigentlich war ich ja selbst schuld! Anstatt blindlings los zu stürmen und ziellos über das Gelände zu watscheln, hätte ich mich ja im Vorfeld etwas mehr informieren, mir einen Plan machen und etwas gezielter herauspicken können, was ich wo sehen wollte. Und ich hätte auch 2 Tage unter der Woche kommen können statt am Samstag, wo eben einfach jeder kommt weil er da halt Zeit hat.

Und dann gab es ja die grandios gute Retro Area! Die war mein absolutes Highlight, nicht nur weil es dort hell und bunt war, es relativ viele Sitzgelegenheiten gab und ich einfach auf ältere Spiele stehe. Die ganze Atmosphäre dort war entspannter, freundlicher, man konnte fast glauben zu spüren, wie schöne Erinnerungen, spaßige Zweikämpfe an den vielen bespielbaren Geräten und der offene, ungezwungene Umgang miteinander eine positive Energie aufbauten.

Also ja, ich würde wohl wiederkommen! Aber dann mit mehr Zeit, mehr für die Retro Area mehr für den Rest. Denn auch außerhalb der Retroecke gab es einige sehr interessante Titel zu entdecken (s. oben) und ich habe sicher noch den einen oder anderen übersehen, weil wir uns einfach nicht überall alles genau anschauen konnten. Mehr Zeit auch, um vielleicht den einen oder anderen Gleichgesinnten mehr persönlich zu treffen. Auch würde ich keinen Rucksack mit Wasserflaschen mehr mit mir herumschleppen, der ging mir nach einiger Zeit tierisch auf die Nerven und die Schultern. Und ich würde eben nicht mehr am Wochenende kommen, sondern eher unter der Woche. Und wer weiß, wenn Ihr alle, die Ihr das hier lest, anderen von meinem kleinen Blog hier berichtet, klappt es irgendwann vielleicht sogar mit einem Presseticket und -Zugang. 😉

So, genug von mir und davon, was mir gefallen hat und wie ich den Tag erlebt habe. Wer war noch auf der Gamescom? Wie fandet ihr es, was waren Eure Tops und Flops der Messe? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

P.S.: Ich hab natürlich auch etwas Merchandise abgegriffen:

Überschaubar, wie ich finde. 😉

YesterPlay: Dyna Blaster (MS-DOS, Hudson Soft, 1991)

“Dyna Blaster” für PC

Bevor sich jetzt irgendwer aufregt, was für ein dreister “Bomberman”-Clone das da sei, gleich vorweg: Die Varianten des beliebten Spiels für Heimcomputer (Amiga, Atari ST, DOS-PC) wurden in Europa unter dem Namen “Dyna Blaster” vertrieben, während es auf den Konsolen und später auch für die Computer wieder als “Bomberman” heraus kam.

Ich fand für damalige PC-Verhältnisse Sound und Grafik echt gut und dass man hier mit bis zu 4 Spielern gleichzeitig spielen konnte, war besonders klasse! Das Prinzip des Spiels dürfte inzwischen jedem hinlänglich bekannt sein, dazu muss ich wohl nichts mehr erzählen. Bis heute kamen ja unzählige Spiele der Reihe auf unzähligen Systemen heraus, begleitet von vermutlich ebenso vielen Klonen. Völlig egal was man daheim rumstehen und -liegen hat, man kann fast sicher sein dass es ein “Bomberman”-Spiel dafür gibt.

Und das ist auch gut so, denn “Bomberman” macht Bombenlaune! Besonders wenn mal zwei oder gar mehr Spieler vor dem Bildschirm versammeln kann. So wie damals in der Ausbildung, als wir uns in der Mittagspause immer vor dem damals schon antiquierten 486er im Ausbildungsbüro versammelten, die Diskette mit dem Spiel einschoben und uns kurz darauf unter wüsten Beschimpfungen und Schreien die heftigsten Gefechte lieferten! Die mit Abstand beste Zeit des Arbeitstages! 🙂

10 Spieler in “Atomic Bomberman” auf dem PC

Der PC bekam 1997 mit “Atomic Bomberman” einen heute schon fast legendären Nachfolger, da hier, wie auch an Segas Saturn, bis zu 10 Spieler gleichzeitig spielen konnten, hier allerdings nur über Netzwerk. Ein Heidenspaß auf jeder LAN-Party damals! 😀 In Japan kamen noch zwei Collections mit Konsolenversionen für den PC sowie ein Onlineableger von “Bomberman” heraus, letzterer wurde aber inzwischen wieder eingestellt.