YesterPlay: Duke Nukum / Duke Nukem (MS-DOS, Apogee Software, 1991)

Den Duke selbst muss ich wohl keinem mehr vorstellen: Das blonde Großmaul mit dem Bürstenschnitt hat sich seinen Spitzenplatz in allen Listen bekannter Videospielhelden mehr als zementiert, ganz besonders dank dem 1996 erschienenen “Duke Nukem 3D” und dessen Neuauflagen, wie z.B. der gerade 2016 erst veröffentlichten “20th Anniversary World Tour” mit einer brandneuen Episode. Auch der  unrühmliche Nachfolger “Duke Nukem Forever” machte seinen Protagonisten bekannt, allerdings nicht wegen seiner Qualität sondern seiner beinahe wahnwitzigen Entwicklungsgeschichte.

Was viele aber vielleicht nicht wissen ist, dass der Duke seine Karriere in einem ganz anderen Genre startete: Dem Action-Plattfomer, zu meiner Zeit noch Jump ‘n’ Shoot genannt. In einem solchen debütierte der schießwütige Macho nämlich 1991 unter dem Banner von Apogee Software (heute als 3D Realms bekannt) auf dem PC. Mit dessen Eingabegerät der Wahl (Tastatur oder Joystick) hüpft und ballert man sich also zu feinsten PC-Speaker-Klängen durch die sehr schön gestalteten und ausgeklügelten Level in EGA-Grafik und versucht, sich gegen allerlei Fallen und Widersacher meist technischer Natur seiner Haut zu erwehren. Diese stammen aus den Laboren des fiesen Dr. Proton (Bitte nicht mit dem fiktiven TV-Wissenschaftler aus “Big Bang Theory” verwechseln!) und dienen, wie so oft, dem Ziel, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Was unser Held in pinker Rüstung natürlich zu verhindern versucht.

Das Spiel ist, wie es damals oft üblich war, in 3 Episoden aufgeteilt, die leider separat gespielt werden müssen. Das bedeutet, dass man in jeder Episode wieder bei Null anfängt: Null Punkte, Null Waffenupgrades, Null alles. Das ist zwar etwas schade, andererseits bleibt das Spiel so spannend und herausfordernd. Die erste Episode wurde, wie bei vielen anderen Spielen seinerzeit, kostenfrei als Shareware vertrieben.

Warum im Titel eigentlich “Duke Nukum / Duke Nukem” steht? Das rührt daher, dass Apogee kurz nach Veröffentlichung des Spiels herausfand, dass es bereits eine Figur mit dem Namen “Duke Nukem” in einer populären Zeichentrickserie gab. Um eventuellen Rechtsstreitigkeiten mit deren Machern aus dem Weg zu gehen, wurde kurzerhand mit einem Patch das eigene “Duke Nukem”  in “Duke Nukum” umbenannt. Da sich der Name der Zeichentrickfigur dann aber doch als nicht geschützt herausstellte, konnte Apogee sich diesen nun schützen lassen und so konnten die darauf folgenden Spiele wieder mit dem heute bekannten Titel erscheinen. Verwunderlich bleibt allerdings, warum man sich wegen des Namens solche Sorgen machte, aber offenbar kein Problem damit hatte, Grafikelemente aus “Turrican” und “Mega Man” zu “übernehmen”…

“Duke Nukem” wusste mich von Anfang durch die nahezu perfekte Balance zwischen Action und Geschicklichkeit sowie die wundervoll präzise Steuerung zu begeistern. Eigentlich wollte ich für dieses Video nur die ersten paar Level spielen, aber ruck-zuck hatte ich die gesamte erste Episode “Shrapnel City” durch (ca. 2,5 Stunden), weil es sich einfach so schön flüssig spielt.

Die beiden ersten “Duke Nukem”-Spiele waren übrigens noch auf der CD der ersten veröffentlichten Version (1.3d) von “Duke Nukem 3D” mit enthalten und waren bis Ende 2015 noch bei Steam und GOG als Download erhältlich. Leider sind sie, ebenso wie die “Megaton Edition” (Hauptspiel + alle offiziellen veröffentlichten Addons) von “Duke Nukem 3D”, aktuell in keinem digitalen Store mehr erhältlich, da die Rechte an der Marke 2015 endgültig von 3D Realms auf Gearbox Software übergingen und seither offenbar keine neuen Verhandlungen über die Wiederveröffentlichung der alten Teile der Serie mehr geführt wurden, zumindest keine erfolgreichen. Glücklicherweise hatte ich die Spiele noch gekauft, bevor sie bei Steam und GOG aus dem Angebot genommen werden mussten und kann sie nach wie vor spielen.

Ich hoffe sehr, dass sie dort bald wieder auftauchen, noch schöner wäre nach inzwischen 26 Jahren im Dienst der Menschheit freilich ein Freeware-Release, es wäre einfach zu schade wenn sie völlig in Vergessenheit geraten würden!

YesterPlay: X-Men – The Ravages Of Apocalypse (PC, Zero Gravity Entertainment, 1997)

Dieses Spiel war weiterer Spontankauf auf dem Flohmarkt, auch hier hörte und lass ich vorher nichts über das Spiel sondern ließ mich einfach von meiner Begeisterung für Comics und Videospiele dazu verleiten, die paar Mark, die es damals kosten sollte, locker zu machen.

“X-Men – The Ravages Of Apocalypse” (ab jetzt kurz “X-Men”) ist kein selbständiges Spiel, sondern eine Total Conversion, also eine Art erweiterter Mod der die Engine eines anderen Spiels benutzt um seine eigenen Inhalte darüber laufen zu lassen. In diesem Fall ist der iD-Software-Klassiker “Quake” die Basis für das Spiel, ohne den lief es damals nicht, heute ist das dank alternativer Engines kein Problem mehr und man muss “Quake” nicht haben. Aber wer hat das nicht eh schon?

Die Story ist bester Comic-Trash: Ihr übernehmt in “X-Men” die Rolle eines namenlosen, kybernetisch aufgemöbelten Kriegers, der im Auftrag von Magneto gegen ebenfalls kybernetische Klone der berühmten und beliebten Comichelden antreten muss, die vom Bösewicht Apocalypse geschaffen wurden. Dieser will mit den geklonten X-Men die Welt, die vom noch böseren Superbösewicht Onslaught (eine Manifestation der kombinierten dunklen Persönlichkeiten Professor Xaviers und Magnetos) wehrlos und in Trümmern zurückgelassen wurde, erobern. Was Magneto natürlich nicht passt, weil er selbst gerne die Exklusivrechte daran für sich und seine Mutanten hätte. Und so kommen eben wir ins Spiel.

Dieses weiß leider nicht im gleichen Umfang zu begeistern, wie es “Quake” seinerseits tat, ist aber auch nicht ganz übel. Die deutlich hellere und buntere Farbgebung des Spiel ist ein angenehmer Kontrast zur dauernden Düsterkeit in “Quake”. Der dynamische Waffenwechsel durch Transfomation der Waffe ist ein sehr schöner Effekt. Die größte Besonderheit aber ist, dass die X-Men-Klone tatsächlich ganz unterschiedliche Fähigkeiten habe, Wolverine z.B. regeneriert nach einer gewissen Zeit wieder, Archangel ist immun gegen Raketen, usw. Ansonsten ist das Spiel eher unspektakulär: Levelgrafik- und -design erreichen kaum die Klasse von “Quake”. Die Gegner können sehr viel einstecken, was die Kämpfe oft ermüdend macht, besonders wenn man sie mehrmals austragen muss. Ich könnte mir aber vorstellen, dass der Multiplayer-Modus ganz spaßig ist, eben wegen der unterschiedlichen Fähigkeiten, den konnte ich bis heute nur noch nie testen. Falls also jemand Lust hat, lasst es mich wissen!

Mir persönlich ist auch der Soundtrack besonders positiv in Erinnerung geblieben: Dieser geht in die Richtung Nine Inch Nails, Skinny Puppy, etc. und kommt von “Method of the W.O.R.M“. Er enthält einige Songs, die eigentlich bereits 1997 auf dem Album “Cicatrix” erschienen sollten. Das geschah allerdings nicht, zeitweise war das Album als MP3s auf dem FTP-Server des Labels (GrimmWerks) frei zugänglich und erst 2015 wurde das Album offiziell auf als Download veröffentlicht, taucht aber auf der Labelhomepage nirgends auf.

Seit 2006 ist das Spiel offiziell als Freeware freigegeben und kann direkt auf der Homepage von Zero Gravity Entertainment heruntergeladen werden, inklusive einiger nachträglicher Fehlerbehebungen, dafür allerdings ohne besagte Musik. Leider sind auch nicht alle Songs des Spiels auf dem Album vertreten, deswegen bin ich echt froh, das Spiel auf CD gekauft zu haben. Dieser lag damals übrigens auch in kurzer Marvel-Comic bei.

Für das Video habe ich das Spiel mit der QuakeSpasm-Engine gespielt, generell würde ich aber die DarkPlaces-Engine empfehlen, weil mit dieser auch die selbst laufenden Demos des Spiel funktionieren und weil sie einige nette grafische Verbesserungen mitbringt, die das Spiel heute schöner aussehen lassen als damals.

YesterPlay: Bleifuss (MS-DOS, Graffiti, 1995)

Nachdem 1994 die Playstation von Sony endlich Spiele in ähnlicher Qualität wie in den Spielhallen auf die heimischen Fernseher zauberte, kam 1995 von den italienischen Entwicklern von Graffiti auch für den PC der Inbegriff des Arcade-Racers: “Bleifuss”.

Nach der Auswahl des Spielmodus, des Wagens und ggfs. der Strecke ging es direkt los: In pfeilschneller, bunter Optik und mit rockiger Musikbegleitung fegte man, jeglichen Realismus bewusst außer Acht lassend, über wunderschön gestaltete Pisten durch Städte, entlang an Küsten oder über alpine Pässe. “Bleifuss” stand dabei Spielen wie “Ridge Racer” seinerzeit in nichts nach, eher im Gegenteil. Die schon in VGA schöne Optik toppte in SVGA, einen entsprechend schnellen Pentium-Prozessor vorausgesetzt, das Gros der Konkurrenz zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Dass die zahlreichen Fahrzeuge zwar realen Vorbildern nachempfunden aber nicht offiziell lizenziert sind, tut dem Spaß hier absolut keinen Abbruch.

Bis heute ist die Bleifuss-Reihe, zumindest die 3 originalen Teile, für mich mit das Beste im Bereich des klassischen Arcade-Racing am PC, an dem sich gerne mehr Spiele orientieren dürften. Auch wenn ich sonst nicht so der Freund von Remakes bin, würde ich hier definitiv eine Ausnahme machen. “Bleifuss” macht mir auch heute noch viel Spaß und verschwindet auch so schnell nicht von der Festplatte.

Ihr seht hier die ersten 3 Strecken (eine davon kommt dem einen oder anderen vielleicht aus dem YesterPlay zu “Martini Racing” bekannt vor), das Spiel läuft wie üblich in DOSBox, aufgenommen habe ich es mit PlayClaw 5.

YesterPlay: Fatal Racing (MS-DOS, Gremlin Interactive, 1995)

“Wer bremst, verliert!” – Diese einfache Binsenweisheit ist bei “Fatal Racing” sowohl Untertitel als auch Programm: Das Spiel toppte alle bis dato veröffentlichten Arcaderennspiele durch sein noch dynamischeres und actionreicheres Gameplay. Loopings, Kreuzungen, Spiralen, Sprünge, Gruben, ein- und ausklappende Rampen… wer hier nicht auf zack ist, hat kaum eine Chance!

Ihr tretet im Spiel als Fahrer für einen von 8 fiktiven Rennwagenherstellern an. Die Autos ähneln sich optisch sehr, fahren sich aber alle recht unterschiedlich. Sie werden alle ausführlich durch Infografiken und eine weibliche Stimme in der Wagenauswahl präsentiert. Je nach Einstellung sind bis zu 16 Fahrer / Autos an einem Rennen beteiligt, pro Team also bis zu 2 Fahrer. Während des Rennen erhaltet ihr von Eurem Teamkollegen immer wieder Nachrichten, könnt ihm aber auch Welche zukommen lassen (Tasten F5 – F8) und so auch indirekt den Rennverlauf beeinflussen. Die Teams verhalten sich im Rennen auch unterschiedlich, einige versuchen einfach möglichst schnell zu sein, andere sind voll auf Krawall gebürstet und versuchen zu rammen, was das Zeug hält, eines fährt sogar gerne bewusst falsch herum um Gegner frontal aufs Korn nehmen zu können!

Neben den Einzelrennen ist der Meisterschaftsmodus die eigentliche Kernkomponente des Spiels. Nur hier kann man nach dem Sieg im noch recht zahmen und konventionellen “Gremlin Cup” weitere Strecken im “Premier Cup” freischalten, die das volle Potenzial des Spiels erst richtig zur Geltung bringen. Spätestens jetzt werden die Strecken anspruchsvoll und wenn man nicht gerade den Schwierigkeitsgrad “puppig” eingestellt hat, kommt verstärkt eine taktische Komponente mit ins Spiel: Hat man sich beispielsweise eher für ein robustes aber dafür langsameres Fahrzeug entschieden, kann es beispielsweise mehr Sinn machen, möglichst viele gegnerische Fahrzeuge zu zerstören und so Punkte zu machen als auf Teufel komm raus zu versuchen, den 1. einzuholen. Auch eine Strategie für Boxenstops sollte man parat haben, denn das eigene Fahrzeug nimmt auch bei jeder Kollision oder unsanften Landung Schaden und einige Rennen wird man ab dem mittleren Schwierigkeitsgrad kaum heil an einem Stück schaffen! Pro Rennen hat man maximal 3 Fahrzeuge / Versuche.

Wer den “Premier Cup” auf dem härtesten Schwierigkeitsgrad (“Unmöglich”) schafft, darf sein Glück dann noch auf den total abgedrehten Strecken des “Bonus Cup” versuchen.

Ihr merkt vielleicht: Das Spiel hat für ein Arcade-Rennspiel recht viel Tiefgang. Wenn jetzt die Präsentation noch passen würden…

Sie passt! Das Spiel wird wahlweise in VGA oder SVGA dargestellt, einzelne Details sind recht vielseitig einstellbar. Unterstützung für verschieden 3D-Beschleuniger wurde später per Patch nachgerüstet. Die Musik kommt entweder von CD-Rom (empfohlen) oder als Midi, ist nichts besonderes aber tut auch nicht weh. Bereits das Geräusch beim Anlassen des Motors beim Start oder nach einem Boxenstop machen immer wieder Freude, die restlichen Geräusche wissen ebenfalls zu gefallen. Einzig die “Huuuuiiiii!”-Samples oder Schreie bei Loopings und Sprüngen können irgendwann etwas nerven, weniger wäre da mehr gewesen. Die Steuerung ist ausreichend beliebig anpassbar und reagiert sehr präzise.

Neben einigen per Cheat freischaltbaren Inhalten ist der Multiplayermodus das Tüpfelchen auf dem “i”: Entweder per Splitscreen an einem PC, oder noch besser mit mehreren Spielern im Netzwerk kommt echte Gaudistimmung auf, die Jagd nach immer neuen Rundenrekorden hat schon einige Stunden gekostet!

Ich denke es wird langsam klar: “Fatal Racing” ist eines der besten Rennspiele, die auf dem PC für MS-DOS je heraus kamen! Die beste Mischung aus “Bleifuss“, “Stunts” und “Destruction Derby”, könnte man sagen. Das Spiel präsentiert sich für sein Alter sehr modern, es bot damals bereits alles, was man noch heute in einem Arcade-Rennspiel erwarten würde. Die Spieltiefe ist dabei beinahe enorm, lässt aber zu keiner Zeit den puren (Fahr)Spaß vermissen. Wer also (alte) Rennspiele mag, kommt an diesem hier definitiv nicht vorbei!

YesterPlay: Sokoban (MS-DOS, ASCII Corporation, 1984)

“Sokoban” habe ich, neben “Arkanoid” auf dem Escom-PC meiner Tante entdeckt und auch gleich lieben gelernt. Heute ist es ein bekannter und vielfach kopierter Klassiker, damals fand ich es einfach nur sehr schön inszeniert, was sich bis heute nicht geändert hat: Die Art der Menünavigation, indem man den Lagerarbeiter steuert, sollte viel öfter verwendet werden, das hat doch viel mehr Charme als Schaltflächen und Buttons zum Anklicken!

Das Spiel selbst spielt sich sehr einfach: Mit den Cursortasten oder dem Joystick bewegt man den Lagerarbeiter durch die einzelnen hier sprichwörtlichen Level und versucht, alle darin verteilten Kisten in den dafür vorgesehenen Lagerraum zu schieben. Das ist anfangs noch ein recht simples Unterfangen, wird aber mit jedem Stockwerk schwerer. Insgesamt 50 Stockwerke gilt es in jeweils möglichst wenigen Zügen  zu meistern, bevor unser Lagerarbeiter seinen verdienten Feierabend machen darf.

Es gibt, wie gesagt, viele Inkarnationen dieses Spiels, aber diese hier finde ich aus den genannten Gründen bis heute noch mit am sympathischsten.

YesterPlay: Arkanoid (MS-DOS, NovaLogic, 1988)

“Arkanoid” ist eine meiner ersten Erinnerungen an Spiele auf dem PC. Eine Tante hatte damals so einen, Jahre bevor ich meinen ersten bekommen sollte. Und auf dem hatte sie unter anderem diesen Port der Spielhallenversion von “Arkanoid”. Ihr könnt Euch sicher denken, wie die Besuche bei besagter Tante aussahen?! 😉
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YesterPlay: Destruction Derby (MS-DOS, Reflections Interactive, 1995)

“Destruction Derby” war ein Meilenstein, der eine neue Ära der Arcade-Rennspiele einläutete: Ging es in diesen bisher hauptsächlich darum, möglichst gute Platzierungen und damit Punktestände einzufahren, standen bei “Destruction Derby” Rempeleien, Unfälle und Zerstörung der motorisierten Konkurrenz im Vordergrund. Damit stand das Spiel Pate für einige bis heute beliebte Rennspielserien wie “BurnOut”, “FlatOut” oder “Carmageddon” und einige Einzelspiele mit ähnlicher bis gleicher Thematik, wie z.B. “Demolition Racer”, “Wreckfest” oder “DIRT: Showdown”. Continue reading “YesterPlay: Destruction Derby (MS-DOS, Reflections Interactive, 1995)”