YesterPlay: Kageki (Arcade, Taito, 1988)

Der “Kageki”-Automat stand, neben ein paar anderen, vor vielen Jahren in Italien mal im Hinterzimmer einer Bar nur ca. 100 Meter entfernt von unserer Wohnung. Und jetzt ratet mal, wer da häufig davor stand und die väterlichen Lire drin versenkte! Kleiner Tip: Ich! 🙂

Wie man unschwer erkennen kann, ist das Spiel ein knuffig inszeniertes Streetboxing-Prügelspiel, mit “großkopferten” Charakteren, und lustigen Animationen. Dieser spezielle Look ist es auch, der mir bis heute besonders gut in Erinnerung geblieben ist. Ebenso unschwer zu erkennen ist, dass es offenbar keinerlei erkennbare Taktik gibt und man einfach versucht, möglichst viele Treffer zu landen bevor der CPU-Gegner das gleiche tut. Ein echter Buttonsmasher also, kurzweilig aber schnell ermüdend und recht schwer.

Das Spiel wurde etwas überarbeitet für Segas Mega Drive / Genesis umgesetzt, darüber hinaus gab es bis heute keine Ports und Neuveröffentlichungen.

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Retro um und zu jedem Preis? Es geht auch anders!

Alle Jahre wieder!

Beinahe schon traditionell bringt die Firma ATGames seit Jahren zwischen September und November eine neue Version Ihrer beliebten Atari Flashback Classic Console bzw. Sega Genesis Classic Console auf den Markt. So auch dieses Jahr. Bei diesen Geräten handelt es sich um lizenzierte Retrokonsolen, die preislich allesamt im Impulskaufsegment liegen, (meines Wissens) die gleiche Hardware verwenden und optisch mehr (Atari) oder weniger (Sega, dafür mit Modulschacht für echte Spielmodule) den jeweiligen Konsolenklassikern nachempfunden sind. Parallel zu diesen kommen fast immer Handheldvarianten auf den Markt, die über einen SD-Kartenslot verfügen und so fast beliebig um Spiele(-Roms) erweitert werden können. In eher unregelmäßigen Abständen bekamen auch andere Konsolen eine Neuauflage verpasst, ich möchte mich hier aber aus aktuellem Anlass auf die beiden erstgenannten konzentrieren, denn:

Was bisher kaum eine News wert war, erfährt nun im Fahrwasser der erst kürzlich eingestellten NES Classic Mini von Nintendo eine vorher kaum vorstellbare Medienpräsenz, kaum ein Portal berichtet nicht, zum Teil mit kaum verhohlener Begeisterung, über die “neuen” Retrokonsolen von ATGames, die auch 2017 wieder auf den Markt kommen werden.

Ein Blick zurück

Nun bin ich ja bekennender Liebhaber reiferer Spiele und prinzipiell Empfänglich für solche Apparaturen. Wenn ich aber das Wort “neu” in Verbindung mit den jeweiligen Bildern sehe, geht bei mir automatisch die linke Augenbraue hoch. Warum?

Machen wir ein kleines Ratespiel! Ich zeige Euch 3 Bilder, Ihr sagt mir welches Modell der jeweiligen Retrokonsole ihr glaubt zu erkennen. Auf die Plätze, fertig, los:

Na, wer hat sie alle erkannt? Richtig, es sind alles Atari Flashback Konsolen, und zwar die folgende Varianten von links nach rechts: Atari Flashback 4 Classic Console (2012), Atari Flashback 6 Classic Console (2015), Atari Flashback 8 Classic Console (2017).

Runde 2! Diesmal 4 Bilder, ich verrate gleich vorweg: Es sind alles Sega Genesis Classic Konsolen. Aber könnt Ihr sie chronologisch nach Marktstart sortieren?

 

Na, wer hat’s raus? Zugegeben, bei den Teilen noch durchzublicken ist auch echt schwer, die kamen weltweit in so vielen verschiedenen Varianten heraus, mal mit 80, mal mit 85, mal sogar mit 90 Spielen… Deswegen habe ich sie gleich chronologisch sortiert, die Konsolen kamen von links nach rechts heraus in 2012, 2015, 2016 und das letzte zeigt das Modell dass im Herbst 2017 erscheinen soll. Süß finde ich übrigens, wie man bis heute immer noch versucht, die alten “Mortal Kombat” Spiele als Zugpferd auf der Verpackung zu präsentieren. Sind die echt noch so verrucht dass man damit heute noch Käufer ködern kann?

Bonusrunde! Diesmal die Handheldvarianten. Ich zeige Euch diesmal 5 Bilder, verpixele die Bildschirme und Ihr sagt mir, welches System welches ist:

 

Das war relativ einfach, oder? Die Buttons und die jeweilige Farbgebung geben recht viel Preis: Von links nach recht haben wir hier das Master System Portable, das Atari Flashback 7 Portable, das alte Genesis Portable mit 3 Buttons (von vorne herein eine totale Fehlkonzeption!), dann das mit 6 Buttons und zum Schluss noch das im Herbst erscheinende Atari Flashback 8 Portable.

Wir sehen: Alles aus einem Guss, bestenfalls marginale äußere Veränderungen an der Hardware lassen sich ausmachen. “The same same procedure as last year? – The same procedure as every year!”

Aber lassen wir das offensichtlich mal beiseite, mag ja sein, dass die Konsolen seit Jahren gleich aussehen, aber es ist sicher nicht immer das gleiche drin, oder? Tatsächlich unterscheiden sich die Geräte in der Auswahl der vorinstallierten Spiele. Wie sehr (oder eben nicht), könnt ihr dieser handgeklöppelten Tabelle (als PDF) entnehmen, die die Spielelisten von 2014, 2015, 2016 und 2017 im Vergleich enthält. Spoiler: Sie unterschieden sich kaum. Die Spiele, die von ATGames mit in die Konsolen gepackt werden (Seite 2), könnt ihr übrigens, solltet Ihr über den Kauf einer solchen Konsole nachdenken, getrost ignorieren: Diese stammen großteils aus dem Homebrewbereich und sind in der Regel kein adäquater Ersatz für ein gutes Mega Drive-Spiel.

Echte Neuerungen?!

Wirklich neu scheint also, zumindest auf den ersten Blick, so gut wie gar nichts zu sein. Ganz aufmerksame Leser haben aber möglicherweise bei den stationären Modellen für 2017 etwas bemerkt: Genau, im Gegensatz zu den vorherigen Varianten, sind die Controller hier mit Kabel abgebildet! Klar, “Hat beim NES Classic Mini geklappt, das probieren wir auch!” wird man sich bei ATGames gedacht haben. Und die Spieler können von dieser Entscheidung nur profitieren, denn die drahtlosen Controller wurden zuvor über Infrarot verbunden, was zum einen dauerhafte Sichtverbindung zwischen Controller und Konsole voraussetzte, zum anderen oft zu deutlich spürbaren Latenzen führte, was beides natürlich eher wenig zum Spielspaß beitrug.

Von diesem eher nebensächlichen Detail abgesehen gibt es dieses Jahr aber 2 tatsächliche Neuigkeiten: Die offensichtlichste dürfte die neue Sega Genesis Flashback (mit “85” Spielen) sein, die optisch einem Genesis 1 nachempfunden ist. Die weniger offensichtliche (da sie sich optisch nicht von der Classic Console unterscheidet) dürfte die Atari Flashback Gold (mit 120 Spielen) und deren Activision Edition (mit 130 Spielen!) sein. Neben dem Namenszusatz (Flashback) teilt sich das Genesis Flashback mit den Atari-Pendants offenbar auch eine neue Hardwarebasis:

Alle drei werden endlich mit einem HDMI-Ausgang ausgestattet, meiner Meinung nach schon längst überfällig und in Zeiten, in denen bereits einige Ihre Full-HD-TVs gegen 4K-Geräte tauschen, hätte ich mir sogar mindestens 1080p statt der 720p, die tatsächlich ausgegeben werden, gewünscht. Immerhin werden optional Scanlines einschaltbar sein. Die drahtlosen Controller werden endlich mit einer 2,4Ghz-Funkverbindung ausgestattet, Controller mit Kabel lassen sich nach wie vor auch anschließen. Die neue Hardware scheint etwas mehr Dampf zu haben als die der jeweiligen Classic-Varianten, denn sie ermöglicht nun auch eine “Rückspulfunktion” sowie das Erstellen und Laden von Savestates. Dass sie nicht mehr als 720p darstellen kann lässt jedoch vermuten, dass auch die HD-Modelle von Chips befeuert werden, die eher am unteren Ende der Preis- und Leistungsskala angesiedelt sind. Eventuell ist das auch eher eine Designentscheidung, um die Kompatibilität mit so ziemlich jedem Flachbildfernsehgerät zu gewährleisten ohne den Käufer etwas konfigurieren lassen zu müssen, ich tippe aber auf ersteres. Bisher ist nicht bekannt, was die Konsolen jeweils kosten sollen.

Leider sind auch die zahlreichen Klone und “Billigspiele”, die bereits bei den bisherigen und auch der neuen Sega Genesis Classics Console mehr als die Hälfte der verfügbaren Spiele ausmach(t)en (s. meine Liste), wieder mit an Bord der Sega Genesis Flashback. Schade, ein paar echte Klassiker mehr statt dieser spielerischen C-Ware hätten der schicken Konsole sehr gut gestanden. Wieder einmal hat es nicht einer von Segas Rennspielklassikern mit auf die Liste geschafft! Buuuuuuuh, SEGA! Dafür werden nun auch ein paar Master System- und Game Gear-Titel mit auf der Konsole vorinstalliert sein, was die Auswahl an 16-Bit-Titeln aber weiter einschränkt.

Mit der Atari Flashback 8 Gold, deren Activision Edition und dem neuen Sega Genesis Flashback bekommen die beliebten Retrokonsolen also endlich ein längst überfälliges Upgrade auf HD und zeitgemäße Drahtlos-Controller. Eine Anschaffung wäre für Fans wie mich also durchaus eine Überlegung wert. Wäre da nicht dieses eine, kleine Problem… dazu später aber mehr.

Es ist nicht alles Gold was flasht!

Kehren wir nochmal zurück zum Anfang dieses Beitrags und schauen wir mal wer aufgepasst hat: Im Gegensatz zu den neuen Sega Flashback- bzw. Atari Flashback Gold-Konsolen war da doch noch die Rede von neuen Classic-Konsolen. Denn ja, parallel zu den neuen, besser ausgestatteten Konsolen, werden auch die bereits altbekannten Vertreter wieder mit einer nur minimal veränderten Spieleliste auf den Markt geworfen. Und davon, liebe Retrospielfreunde, bin ich, bei aller Liebe für die alten Spiele, absolut kein Freund!

Ich habe ja bereits in der Einleitung darauf hingedeutet, dass diese Konsolen preislich eher im Impulskaufsegment angesiedelt sind. Auf gut Deutsch bedeutet das so viel wie “billig” (nicht zu verwechseln mit “günstig”)! In der kleinen Retrospektive, die sich im folgenden Ratespiel versteckte, zeigte sich, dass die Geräte über Jahre zumindest äußerlich unverändert einfach immer wieder und wieder neu verpackt, die vorinstallierten Spiele minimal variiert und die Konsolen dann im jährlichen Turnus immer wieder “neu” verkauft wurden. Nun könnte man zumindest hoffen, dass die Konsolen zumindest technisch immer wieder mal modernisiert wurden. Aber leider machen die Bewertungen für die 2016er Vorjahresmodelle auf Amazon.com alle Hoffnungen schnell wieder zunichte: Bewertungen mit 4-5 Sternen halten sich in Summe beinahe die Waage mit solchen mit nur einem oder zwei Sternen, woraus sich meiner Meinung nach klar ablesen lässt dass Retrofans mit Anspruch kaum glücklich mit diesen Konsolen werden, Gelegenheitsspieler mit knappem Geldbeutel aber durchaus auch etwas Spaß damit haben können:

Bei den Handheldkonsolen ist eine deutliche Verschiebung hin in die Bereiche mit mehr Sternen erkennbar, allerdings kann ich da auch aus eigener Erfahrung nur sagen, dass ich mit meinem Handheld nicht viel Spaß hatte: Das Material könnte kaum billiger wirken, die Tasten fühlten sich unangenehm an, das Steuerkreuz war sehr ungenau und die Emulation eher mittelprächtig, besonders der Sound sogar echt miserabel. Zumindest letzteres wurde wohl leider bis 2016 nicht besser, wie man in diesem Review (von armchchairarcade.com) nachlesen kann. In einigen Amazon-Bewertungen wird auch 2016 noch moniert, dass es ein Glücksspiel sei, SDHC-Karten zum Laufen zu bekommen. Deswegen muss man leider davon ausgehen, dass die Handhelds auch auf einem ähnlich alten Stand sind wie die stationären Konsolen.

Schaut man sich die Beschreibungen der gerade angekündigten 2017er-Classic-Konsolen an, deutet leider nichts darauf hin dass diese sich in irgendeiner Form von den 2016er Modellen unterscheiden: Sie werden leider nach wie vor nur über einen einfachen analogen Cinch-Anschluss mit dem TV verbunden und auch sonst scheint alles beim Alten zu bleiben, außer dass man nun auch noch den IR-Port eingespart hat. Die diversen Classic Consoles von ATGames sind sozusagen das FIFA der Retrokonsolen: Ein alljährlicher Aufguss mit nur marginalem Aufwand (Entwicklungskosten sind quasi inexistent, die Fertigungsstraßen bei den Zulieferern stehen bereits seit langem, etc.), eine Gelddruckmaschine mit Gewinngarantie.

Elektroschrott in Serienproduktion

Nicht dass ich ATGames das Geld nicht gönnen würde, ca. 40€ für ca. 40 Sega-Spiele, ca. 40 ATGames-Zugaben und das ganze mit 2 Controllern, das ist echt nicht viel Geld! Meine Kritik geht in eine andere Richtung: In meinen Augen ist das schon fast eine bewusste kontinuierliche Elektroschrott-Serienproduktion. Bedingt durch die von vorne herein eher mäßige Qualität bis hin zu den jährlich variierenden Spielelisten, die mit 2-3 neuen Titeln jährlich (andere werden dafür entfernt) einzig und allein dem Zweck dienen, Käufer dazu zu bewegen, sich auch die neueste Reinkarnation der jeweiligen Konsole anzuschaffen.

Wer sind überhaupt diese Käufer? Sammler? Möglicherweise, ich persönlich kann mich allerdings nur schwerlich für die Vorstellung begeistern, mehr als eine quasi identische Retrokonsole im Regal stehen zu haben. Aber Sammler sind oft speziell… Echte Retrofans? Die geben sich eher kaum mit so mittelmäßig emulierten Spielen ab. Jemand, dessen Originalkonsole defekt ist und der Ersatz braucht? Der dürfte auch kein Interesse daran haben, seine Spiele nur mäßig gut emuliert zu spielen. Also wer kauft solche Konsolen? Die kauft vermutlich hauptsächlich der Spieler, der gerne die Klassiker seiner Kindheit und Jugend am heimischen TV spielen möchte, der aber weder das Geld hat, sich eine eigene Original-Sammlung anzulegen, noch den technischen Sachverstand und/oder die Motivation, sich mit guten Emulatoren auf dem PC oder einem Raspberry Pi auseinanderzusetzen. Die Teile sind Plug-and-Play, damit kommt jeder zurecht. Und was macht dieser Spieler wenn er statt beispielsweise alter Atari-Spiele nun Lust auf Sega-Spiele bekommt? Er kauft noch eine Konsole. Und was macht dieser Spieler, wenn er genau die 2-3 Spiele, die im nächsten oder übernächsten Jahr neu auf der nächsten Atari oder Genesis Classic Console mit drauf sind, auch spielen möchte? Er kauft sich womöglich noch eine dieser Konsolen, sind ja so schön einfach zu handhaben und kosten weniger als ein Vollpreistitel für die aktuellen Konsolen. Ich kann also durchaus nachvollziehen, warum so etwas gekauft wird. Gut finde ich es aber nicht.

Ich persönlich frage mich nämlich, mehr aus ökologischen denn ökonomischen Gründen: Hätte es denn die Sega Genesis Classic und die Atari Flashback Classic neben den neuen Flashback- bzw- Flashback-Gold-Varianten tatsächlich noch gebraucht? Das jeweilige Handheld könnte ja meinetwegen noch weiter geführt werden, aber wäre das nicht ein guter Zeitpunkt gewesen, die “alten” Heimkonsolen nach all den Jahren in den wohlverdienten Ruhestand zu schicken? Und wäre es wirklich zu viel verlangt, auch den stationären Classic Konsolen einen SDHC-Kartenslot zu spendieren, mit dem man selbständig Spiele “nachrüsten” könnte statt jährlich eine neue kaufen zu “müssen”? Beim Handheld geht es doch auch! Denn, und damit kommen wir nun wieder zu meinem bereits erwähnten kleinen Problem mit den neuen HD-Varianten: Auch diese lassen dieses überaus nützliche Feature wieder schmerzlich vermissen, ebenso wie zuvor bereits das NES Classic Mini, was alleine aus diesem Grund für mich von vorne herein schon keine Option war! Solche bewussten Kastrationen der hardwarespezifischen Möglichkeiten machen aus unternehmerischer Sicht sicherlich Sinn, sind in meinen Augen jedoch verschwendetes Potenzial, verschwendete Rohstoffe und für den Käufer unnötige Kosten.

Ich will aber an dieser Stelle keine Grundsatzdiskussion über die Umweltverträglichkeit unseres Lieblingshobbys anfangen, obwohl eine solche sicher auch nicht ganz unangebracht wäre, sonder lieber etwas anderes präsentieren:

Alternativen

Was also kann man tun, wenn man gerne alte Spiele am TV spielen, aber nicht jedes Jahr, wegen 2-3 neuer Spiele, eine neue Billig-Konsole kaufen und auch nicht unbedingt den PC am TV anschließen kann oder möchte? Reichlich viel kann man da tun!

Es gibt z.B. neben den bekannten Vertretern von ATGames, Blaze und Co. noch weitere ähnlich ausgerichtete Konsolen, die haptisch oft nicht wirklich besser aber dafür leichter um weitere Spiele erweiterbar sind und sogar Originalmodule und Roms von noch mehr Systemen unterstützen! Z.B. die Retron 5 von Hyperkin, die die Module von NES/Famicom, SNES/Super Famicom, Genesis/Mega Drive, Game Boy, Game Boy Color, & Game Boy Advance abspielen kann. Oder, wenn man es ganz wild treiben will, die Retro Freak von Cybergadgets, die Module von gleich 11 anderen Systemen abspielen kann!

Wem bei diesen Multi-Emulations-Konsolen der Retrocharme fehlt, greift zukünftig vielleicht zur RetroEngine Sigma, die Vorbesteller im Design eines silber gefärbten Genesis / Mega Drive 1 bekamen, spätere Käufer erhalten die Konsole in einem Retrodesign dass eher eine Mischung aus Atari 2600 und Mega Drive zu sein scheint.

All diese Konsolen haben eines gemeinsam: Sie kosten mehr als die Einzelsystemkonsolen von ATGames, dafür können sie alle Spiele für gleich mehrere Systeme von der SD-Karte oder gar Originalmodulen abspielen und geben das Bild ebenfalls in HD mit 720p aus!

Eine weitere Möglichkeit einer Retrokonsole sind die inzwischen vielfältig erhältlichen Mini-Bastler-PCs, wie z.B. der Raspberry Pi, aus denen sich mit einem optionalen Gehäuse und dem Controller Eurer Wahl auch für relativ wenig Geld eine schicke, kleine aber sehr leistungsfähige Retro-Konsole oder sogar ein -Handheld basteln lässt. Mit echtem Mehrwert, weil die kleinen Dinger natürlich noch viel mehr können als Spiele zu emulieren. Handwerklich begabte Retrofreunde bauen sich solche sogar in Originalgehäuse alter Konsolen ein! Danach einfach die entsprechende kostenlose Linuxdistribution (z.B. Retropie, Lakka oder Recalbox) und die gewünschten Spiele auf eine microSD-Karte kopieren, anschließen, einmalig einrichten und loslegen! (Vielleicht gibt es dazu bald mal ein Tutorial von mir.)

Ach ja, Spiele… All diese Konsolen bieten nun zwar all die technischen Möglichkeiten, die vielfältigsten Retrospiele zu spielen, haben aber, im Gegensatz zu den Geräten von ATGames, keine Spiele mit an Bord. Wo bekämen wir die nun her? Klar, ihr könntet Euch natürlich einfach die SD-Karte mit illegal im Netz heruntergeladenen Spielen vollpacken, wer die Spiele aber gerne legal erwerben möchte, kommt kaum um den Erwerb von Compilations für den PC herum. Diese gibt es zwar oft auch auf Konsolen, Konsolendiscs sind in der Regel nicht ohne weiteres (am PC) auslesbar. Um bei den Beispielen Atari 2600 und Sega Mega Drive zu bleiben, wären also zum einen die Atari Vault als auch die Sega Genesis and Mega Drive Classics auf Steam meine Empfehlung: Diese sehr schön aufgemachten Sammlungen von Klassikern enthalten fast die gleichen Spiele wie die entsprechenden Flashback-Konsolen von ATGames, sind besonders im Sale immer wieder mal echt günstig zu bekommen und ihr könnt die Roms, einmal gekauft und installiert, einfach vom Installationsordner auf der Festplatte auf Eure SD-Karte kopieren und dann mit der Konsole Eurer Wahl spielen. Oder auch einfach direkt am PC, die Collections enthalten alle bereits einen leicht zu konfigurierenden Emulator.

Womit wir, Desktop oder Notebook vorhanden, zur wohl günstigsten und besten Variante kämen, denn am PC/Mac gibt es (neben den Bastel-Mini-PCs) die mit Abstand besten Emulatoren. Kaum eine Retrokonsole gibt die Spiele bisher so gut wieder wie z.B. ein Stella die A2600-Spiele oder ein Kega Fusion die Titel von Sega. Diese Emulatoren, gefüttert mit den Roms aus den entsprechenden Collections und auf einem per HDMI mit dem TV verbundenen PC oder Mac, sind nach wie vor das Non-Plus-Ultra, wenn es um die Emulation von Retro-Spielen geht: Höchste Auflösungen, optional zuschaltbare Filter, Unterstützung aller möglichen Controller, teilweise sogar Spiele über Netzwerk oder Internet möglich und, was mir persönlich sehr gefällt: Kein zusätzliches Gerät nötig, Umwelt und Geldbeutel gleichermaßen geschont!

Mein Appell

Ihr seht, es gibt mehr als eine Möglichkeit, Retrospiele auch am TV zu spielen, ohne  irgendwelche billig produzierten “Wegwerf-Konsolen” kaufen zu müssen: Entweder ihr kauft Konsolen, die zwar ein paar Euro mehr kosten, dafür aber langfristig und deutlich flexibler nutzbar sind, weil ihr dank SD-Karten ganz nach belieben Eure Spiele von verschiedenen Systemen darauf spielen könnt. Oder ihr baut Euch für gar nicht mal viel mehr Geld, als so ein ATGames-Gerät kostet, eine eigene Mini-Konsole mit noch besseren Emulatoren und verzichtet dafür auf die Modulschächte. Oder ihr kauft Euch für ganz wenig Geld entsprechende Collections am PC und spielt die Spiele darüber mit den mitgelieferten oder anderen (oft besseren) Emulatoren! Alles ist besser als weiterhin diesen alljährlichen Re-Re-Re-Re-Re-Re-Re-Release von billigst produzierten und schlecht emulierenden Retrokonsolen zu unterstützen! Bitte kauft solche Konsolen nicht mehr, so nostalgisch sie auch sein mögen, kauft Euch lieber “nachhaltigere” Multisystemkonsolen, oder nutzt gar die eventuell bereits vorhandenen Möglichkeiten, Eure Spiele am PC zu emulieren! So oder so, ihr könnt dabei nur gewinnen, selbst wenn es anfänglich ein paar Euro mehr kostet!

Wie denkt ihr darüber? Geht Nostalgie immer vor? Oder geht ihr den Kosolenkauf auch eher mit dem Kopf an? Lasst es mich in den Kommentaren und/oder auf Twitter wissen!

YesterPlay: Teenage Mutant Ninja Turtles – Tournament Fighters (Mega Drive, Konami, 1993)

Ah, die 1990er, die güldenen Jahre in denen es neue Prügelspiele hagelte wie Schläge in einer Ultra-Combo in “Killer Instict” und in denen die Teenage Mutant Ninja Turtles noch so richtig beliebt und allgegenwärtig waren. Was lag da seinerzeit wohl näher, als die 4 gepanzerten Mutantenreptilien, die bereits diverse sehr gute Sidescrolling-Prügler absolviert hatten, auch Kämpfe 1-gegen-1 austragen zu lassen? Klar: Nichts! Und so kam es, dass Konami 1993 NES, SNES und Mega Drive mit einem weiteren Prügelspiel beglückte.

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YesterPlay: Doom (32X, id Software, 1994)

Nachdem ich neulich den Beitrag über “Battle Frenzy” fertig hatte, einen recht soliden FPS für Segas Mega Drive, wollte ich wissen, was es noch so an FPS für den 16-Bit-Pionier gab. Vor allem interessierte mich die Frage, was wohl das Maximum war, das der Mega Drive noch stemmen konnte. Mir wurde schnell klar, dass, abgesehen von “Corporation”, “Battle Frenzy” neben “Zero Tolerance” (dem Retropixels erst kürzlich einen Beitrag widmete) und dem mäßigen (und nur in Brasilien erschienenen) “Duke Nukem 3D” (das auch erst neulich von MrVenom1974 bedacht wurde) wohl die Spitze des Berges war, mehr ging wohl nicht, bzw. gab es nicht.

Aber dann fiel mir ein, dass der Mega Drive seinerzeit ja noch diverse AddOns bekam, darunter das 32X. Und dafür gab es den Klassiker, den Meilenstein, die Blaupause für ein ganzes Genre: “Doom”.

Jetzt kann man sich natürlich darüber streiten, ob das jetzt noch als Mega-Drive-Spiel gezählt werden darf, aber ich persönlich sehe das 32X eher als Pendant zum “Super FX”-Chip des SNES, das halt als externes Hardware-Addon verkauft statt mit in die Module gepackt wurde.

Das Spiel wurde übrigens von John Carmack höchstselbst direkt vor Ort bei Sega of America portiert und obwohl er sehr deutliche Einschnitte bei Inhalt und Leveldesign machen musste, lässt sich das Ergebnis meiner Meinung nach wirklich gut sehen, das Spiel läuft sehr flüssig und in einem relativ großen Bildausschnitt. Der Sound ist etwas mager, was daran liegen dürfte dass das 32X keinen eigenen, besseren Soundchip mitbrachte, aber alles in allem erkennt man die Musikstücke noch.

Das ist es also, das Nonplusultra der FPS auf dem Mega Drive (mit 32X). Was meint ihr? Wäre mehr drin gewesen oder konnte id Software wirklich alles rausholen, was MD/32X hergaben?

YesterPlay: The Revenge Of Shinobi (GBA, 3d6 Games, 2002)

Als ich den Namen dieses Spiels damals las, dachte ich zuerst, dass Sega das Spiel einfach auf den GameBoy Advance portieren würde. Kurze Zeit später wurde aber deutlich, dass es zwar den Namen des Mega-Drive-Klassikers tragen, aber ein gänzlich neues Spiel werden würde.

Da ich ja ein Riesen-Fan der klassischen Shinobi-Spiele von Sega bin, kam ich deshalb natürlich nicht umher, mir irgendwann einen gebrauchten GBA mit ein paar losen Spielen, darunter auch diesem, zu kaufen, obwohl ich inzwischen wusste, dass das Spiel in der Presse eher durchwachsene Wertungen einfuhr.

Ganz so übel wie es dort teilweise weg kam, finde ich es aber gar nicht. Es erreicht nicht die Klasse des namensgebenden Vorgängers, aber ist für sich betrachtet ein gutes Spiel in stimmungsvollem, feudal-japanischem Setting und mit exzellentem Soundtrack! Der verwendet übrigens zahlreiche Samples aus traditionellen chinesischen Folkloreliedern. Das Spiel ist also der pure Asien-Flash! 🙂 Mir gefällt auch das deutlich mehr auf Nahkampf ausgelegte Gameplay, ich habe mir schon in den früheren Shinobi-Spielen immer etwas mehr Schwertkampf gewünscht, was mit diesem Spiel endlich umgesetzt wurde.

Dass “The Revenge Of Shinobi” aber exakt den gleichen Namen wie das legendäre Mega-Drive-Spiel bekommen musste, kann ich mir nur mit einem ganz plumpen Versuch, darüber Verkäufe zu generieren, erklären. Es gibt keinerlei (zeitlichen) Zusammenhang zu den vorherigen Spielen der Serie, keine (Neo) Zeed, keinen Joe Musashi. Ob diese Entscheidung tatsächlich die Verkaufszahlen positiv beeinflusst hat oder ob das Spiel dadurch in einen unnötig direkten Vergleich zum MD-Titel treten musste? Kann ich schwer beurteilen, ich würde aus dem Bauch heraus fast auf letzteres tippen. So oder so bleibt “The Revenge Of Shinobi” für den GBA aber ein Spiel, das Fans der Serie oder Ninjas durchaus Spaß gemacht haben dürfte, wenn vielleicht auch nicht ganz so viel wie andere Teile daraus.

YesterPlay: David Robinson’s Supreme Court (Mega Drive, ACME Interactive, 1992)

Heute kann ich mit den meisten Sportspielen nicht mehr viel anfangen, aber früher spielte ich zwischendurch ganz gerne mal eines. “Fifa 98” war z.B. bei früheren LAN-Parties immer spaßig, “Virtua Tennis” auf der Dreamcast wanderte auch ab und an mal ins Laufwerk, hin und wieder überkam es mich sogar “World Cup Italia ’90” auf dem Mega Drive zu spielen. Aber insgesamt flimmerten klassische Sportspiele generell selten auf meinen Bildschirmen, wenn dann waren es eher Extremsport-Spiele wie “Tony Hawks Pro Skater” oder “Dave Mirra’s Freestyle BMX”.

Eines der wenigen, die es mal taten, ist das exklusiv auf dem Mega Drive erschienene “David Robinson’s Supreme Court”, ein Basketballspiel zwar ohne NBA-Lizenz, aber dafür mit Unterstützung von David Robinson, einem NBA-Spieler.

Das Spiel war nach “World Cup Italia ’90” mein zweites Sportspiel auf dem Mega Drive, war aber nur eine Ausleihe aus der kleinen Videothek im Ort. Ich würde das Spiel als “sehr solide” bis “gut” zusammenfassen, was mir merkwürdigerweise aber immer besonders in Erinnerung blieb, war das Quietschgeräusch der Schuhe, was ich damals für extrem detailverliebt hielt. Keine Ahnung warum sich genau dieses Geräusch bei mir so eingeprägt hat, es bescherte dem Spiel jedenfalls einen Dauerplatz in der überschaubaren Liste der Sportspiele, an die ich mich (gerne) erinnere. Und Euch damit diesen Beitrag und dieses Video. 😉

YesterPlay: Battle Frenzy (Mega Drive, Domark, 1994)

Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich “Battle Frenzy” (“Bloodshot” im englischsprachigen Raum) in den Geschäften aus dem Regal nahm, mir die Screenshots ansah, eine Weile überlegte und es dann doch irgendwie instinktiv wieder zurückstellte und mein Erspartes in ein anderes Spiel investierte. Dabei sah das, was da auf der Packung gezeigt wurde, gar nicht übel aus. Aber mein Spieler-Instinkt sagte mir, dass ein Spiel dass so oft im Angebot war und dennoch in so großen Stückzahlen in den Läden stand, entweder in völlig utopischen Stückzahlen produziert worden sein musste, oder aber dass es einfach nicht gut sein konnte.

Da ersteres in Zeiten der eindeutig gezählten 16-Bit-Tage eher unwahrscheinlich schien, mutmaßte ich dass wohl zweiteres der Fall sein musste und machte weiterhin vorsichtshalber einen Bogen darum, konnte die Neugier und ein gewisses Interesse daran aber nie ganz ablegen.

Irgendwann stand ich wieder von den Mega-Drive-Spielen und musste feststellen, dass ich alles, was in meinem momentanen Budget war, schon kannte oder hatte. Bis auf… na klar, “Battle Frenzy”. Und da sich damals die Gelegenheit, Spiele zu kaufen, nur selten bot, weil es bei uns in der Nähe keinen Händler gab, der welche führte, ging ich das Risiko ein.

Glücklicherweise hatte mich mein Instinkt hier getäuscht, das Spiel ist gar nicht so übel wie ich befürchtet hatte, besonders wenn man die limitierten Fähigkeiten eines Mega Drive ohne Zusatzchips in Betracht zieht. Ganz im Gegenteil, “Battle Frenzy” ist ein lupenreiner First-Person-Shooter der zumindest im würfeligen Aufbau der Level sehr an das 2 Jahre zuvor auf dem PC erschienene “Wolfenstein 3D” erinnert.

Die Steuerung funktioniert dafür, dass hier nur ein Digitalkreuz und 3 Feuerknöpfe genutzt werden, auch recht gut, ist aber natürlich kein Vergleich zu einem PC mit Tastatur und Maus oder den modernen Gamepads mit 2 Analogsticks. Das Spiel verzichtet außer im Intro auf Musik und beschränkt sich auf erfreulich klare Sprachsamples, Soundeffekte und Hintergrundgeräusche, die eine erstaunlich passende und beklemmende Atmosphäre in den meist schmalen Korridoren erzeugen. Die Grafik erinnert in der Farbgebung sehr an zahlreichr Spiele auf dem Commodore Amiga, mit kräftigen Farben und schön gezeichneten Sprites. Das Kampfgeschehen nimmt dabei einen recht großen Teil des Bildschirms ein, den Rest das HUD. Ein minimales Ärgernis sind ein paar Texturenfehler, die auch hier im Video zu sehen sind. Die Mega-CD-Version des Spiels hatte diese nicht und bot auch während des Spiels Musik statt der Umgebungsgeräusche.

Mit 12 Levels ist “Battle Frenzy” überschaubar lang (oder kurz), was den mangelnden Abwechslungsreichtum etwas entschärft. Und wenn man jetzt noch die gelegentlichen Framerate-Einbrüche tolerieren kann bekommt man ein überraschend vollwertiges und gutes Ballerspiel im Stile eines “Doom”, “Wolfenstein 3D” oder “Rise Of The Triad” auf dem zur Veröffentlichung doch schon recht betagten Mega Drive! Als Tüpfelchen auf dem i gibt es sogar noch einen 2-Spieler-Splitscreen, der allerdings die Toleranzschwelle für die Framerate nochmal etwas höher gesetzt sehen möchte.

Da die Auswahl an 3D-Shootern auf dem Mega Drive systembedingt eh nie groß war, ist “Battle Frenzy” also schon fast ein Muss für Genre-Fans und Sammler, zumal es echt ein gutes Spiel ist! Man darf es eben nur nicht mit denen auf dem PC oder einem “Doom 2” auf dem SNES vergleichen, das dank “Super FX 2”-Chip in einer anderen Liga spielte.