YesterPlay: Rise Of The Robots (MS-DOS, Mirage Software, 1994)

“Rise Of The Robots” Boxart der PC-Version

Ich habe es in meiner Vorstellung der Mega-Drive-Version dieses Spiels ja bereits erwähnt, als ich darauf hinwies dass diese leider nicht einmal die schlechteste Version sei und es noch schlimmer ginge… Taadaa: Die MS-DOS-Version!

Dabei macht das Spiel, wenn man es zum ersten Mal startet, einen geradezu phänomenalen Eindruck: Die Story und der ganze Spielverlauf wird eindrucksvoll durch eine Reihe vorgerenderter Sequenzen erzählt und weitergeführt, die seinerzeit durchaus noch Eindruck schinden konnten. Generell dürfte es optisch die schönste Version des Spiels sein, was der im Vergleich zu den Konsolen höheren Auflösung zu verdanken ist. Besitzer der Disketten-Version mussten übrigens auf das Intro verzichten und sich mit ein paar Standbildern begnügen.

Leider enden hier auch schon die Vorzüge der PC-Version. Alle!

Was den Sound angeht, würde ich jederzeit die Mega-Drive-Version vorziehen. Musik sucht man hier nämlich abseits des Intros vergeblich, das Spiel beschränkt sich hauptsächlich auf Kampf- und Hintergrundgeräusche.

Das berühmte Gamepad der Firma Gravis für den PC

Extrem übel ist hier die Steuerung umgesetzt, gerade im Vergleich zu den 16-Bit-Konsolenversionen: Das Spiel ist, wenn man es mit Joystick oder Gamepad spielen möchte, allen ernstes auf 2 Buttons beschränkt! Einen für Attacken, einen für Blocks. Das mag beim Commodore Amiga noch angemessen gewesen sein, am PC waren 1994 mindestens 4 Buttons Pflicht, seit 1991 das berühmte Gravis Gamepad auf den Markt kam. Die Stärke der Angriffe wird übrigens durch die Dauer des Tastendrucks bestimmt, eine völlig unpraktikable Methode, besonders für ein Prügelspiel.

Und ansonsten ist leider auch hier alles schlecht, was auch bei der Mega-Drive-Variante nicht gut ist:

  • Die KI ist strunzdumm, dafür aber saustark.
  • Die Charaktere sind nicht die Bohne ausbalanciert.
  • Es gibt keine Continues,
  • Spieler 1 ist immer auf dem Cyborg beschränkt, selbst im 2-Spieler-Modus
  • etc.

Immerhin ist das Gitarrenriff im Intro, das den groß beworbenen Soundtrack von Brian May (Ex-Queen-Gitarrist) darstellt, hier besser und länger zu hören.

Das Spiel wurde seinerzeit auf 3DOs 3DO, Commodores Amiga und CD32, Phillips CD-i, Segas Game Gear und Mega Drive und Nintendos Super Nintendo Entertainment System umgesetzt. Darüber hinaus existiert eine geplante Version für Segas Mega-CD und ein Prototyp eines ebenfalls unveröffentlichten Spielhallenautomaten. Es gab also mehr als genug Gelegenheiten, zumindest eine gute Version zu veröffentlichen. Sie wurde nie genutzt…

Auch nicht für den einige Monate später veröffentlichten, PC-exklusiven und limitierten “Director’s Cut” des Spiels, der um eine zweite CD mit allerlei Bild- und Videomaterial aus der Entwicklung des Spiels erweitert wurde. Die erste CD enthielt leider das gleiche, schlechte Spiel wie zuvor.

Vermutlich aus diesem Grund ist das Spiel bis heute nicht auf Steam, GOG und dergleichen wieder veröffentlicht worden. Und das ist auch gut so! Was die vernichtenden Kritiken seinerzeit aber nicht verhindern konnten, war… unheilvolle Schweigesekunde Einen Nachfolger! Zu dem kommen wir aber ein anderes Mal.

Ach ja: In den Untiefen des Internet geistert eine inoffizielle Version für das Amiga CD32 herum, die von einem Fan etwas verbessert worden sein soll, falls ihr also stolzer Besitzer einer solchen Konsole seid, könnte das also die Version Eurer Wahl sein!

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YesterPlay: Kageki (Arcade, Taito, 1988)

Der “Kageki”-Automat stand, neben ein paar anderen, vor vielen Jahren in Italien mal im Hinterzimmer einer Bar nur ca. 100 Meter entfernt von unserer Wohnung. Und jetzt ratet mal, wer da häufig davor stand und die väterlichen Lire drin versenkte! Kleiner Tip: Ich! 🙂

Wie man unschwer erkennen kann, ist das Spiel ein knuffig inszeniertes Streetboxing-Prügelspiel, mit “großkopferten” Charakteren, und lustigen Animationen. Dieser spezielle Look ist es auch, der mir bis heute besonders gut in Erinnerung geblieben ist. Ebenso unschwer zu erkennen ist, dass es offenbar keinerlei erkennbare Taktik gibt und man einfach versucht, möglichst viele Treffer zu landen bevor der CPU-Gegner das gleiche tut. Ein echter Buttonsmasher also, kurzweilig aber schnell ermüdend und recht schwer.

Das Spiel wurde etwas überarbeitet für Segas Mega Drive / Genesis umgesetzt, darüber hinaus gab es bis heute keine Ports und Neuveröffentlichungen.

Double Dragon Trilogy (PC, DotEmu, 2015)

Nachdem ich sie neulich erst auf GOG umsonst abstauben konnte, habe ich die “Double Dragon Trilogy” natürlich gleich mal angespielt. Es folgt: Meine Meinung zur Compilation.

Die “Double Dragon”-Serie wird heute oft als Urvater der seitwärts scrollenden Beat ’em Ups angesehen, tatsächlich sind hier bereits seit 1987 alle wesentlichen Elemente vorhanden, die später auch Capcoms “Final Fight” oder Segas “Streets Of Rage” berühmt machen sollten.

Dabei waren die DD-Spiele, meiner Meinung nach, gar nicht mal so gut, weder technisch, noch spielerisch. Die Framerate an den Automaten war sehr durchwachsen, das Spiel forderte offenbar mehr Leistung als die Platinen damals liefern konnten. Auch das Gameplay ließ sehr zu wünschen übrig, es war so gut wie unmöglich, Gegner anzugreifen ohne selbst den einen oder anderen Treffer zu kassieren. Besonders für größere Gegner war der eigene Charakter oft mehr Spielball als echte Gefahr.

Ungeachtet all dessen sah sich DotEmu 2015 dazu veranlasst, die 3 klassischen Spiele etwas zu überarbeiten und als kleine Compilation neu zu veröffentlichen, mit Fokus auf Mobiltelefonen aber auch als Downloadtitel auf gängigen Plattformen wie Steam, GOG und sogar als Retailversion mit DRM-freiem Installer + Steamkey!

Zumindest die durchwachsene Performance der Originale gehört damit endlich der Vergangenheit an, die Spiele laufen nun sehr flüssig. Der klassische Arcade-Modus wurde um einen Story-Modus ergänzt, in dem man die Level, einmal gemeistert, direkt anwählen kann. Dafür gibt es dort keine Continues, während man im Arcademode zumindest derer 3 bekommt. Warum man dem Spiel kein Free Play spendiert hat, bleibt ein Rätsel.

Ebenso rätsel- wie zweifelhaft ist die Neugestaltung des HUDs: Die ersten beiden Spiele bekamen neue Bildschirmanzeigen in HD, weder besonders passend noch sich an das gewählte Seitenverhältnis anpassend, wie man hier sehen kann. Teil 3 durfte aus mir unbekannten Gründen sein klassisches HUD behalten. Weichen mussten leider auch die Intros in allen 3 Spielen, der Grund dafür wird wohl auch auf ewig ein Mysterium bleiben. Genau so wie der Button für den virtuellen Münzeinwurf, mit dem man in DD3 eigentlich in den Shops Boni einkaufen könnte – wenn er denn vorhanden wäre.

Unverändert blieb das unfaire Gameplay der Originale: Das Spiel ist nach wie vor ein andauernder Kampf gegen Windmühlen, entsprechend ermüdend ist es auch. Vielleicht macht der Koop-Modus über Internet, den die Steam- und GOG-Version (nur über den Galaxy Client!) zu bieten haben, mehr Spaß, ich habe da aber so meine Zweifel.

Alles in allem sind die Spiele also zumindest technisch ganz gut umgesetzt, leider aber durch stellenweise unverständliche Änderungen unnötig verunstaltet. Kann man mal spielen, muss man aber nicht. Wer wirklich Spaß haben will, spielt eine der zahlreichen Umsetzungen von “Final Fight”, eine gepflegte Runde “Streets Of Rage” oder dessen inoffizielles Remake. Alternativ nutzt man einen der MODs für die OpenBOR-Engine, die auf der Hommage “Beats Of Rage” basiert.

YesterPlay: Pray For Death (MS-DOS, Light Shock Software, 1996)

In den 1990ern waren die Videospielkonsolen mit Prügelspielen in Hülle und Fülle gesegnet, “Street Fighter 2” und “Mortal Kombat” initiierten eine wahre Flut an Spielen, die sich oft eines der beiden in irgend einer Form zum Vorbild nahmen.

Der PC geriet dabei schnell ins Hintertreffen, zwar wurden die beiden Platzhirsche auch dafür umgesetzt, darüber hinaus blieb die Auswahl aber eher spärlich. Umso erfreuter nahm man damals also Spiele wie dieses hier an, dass sich allerdings nicht an den beliebten Vorbildern von Capcom oder Midway, sondern ganz offensichtlich an “Killer Instinct” von Rare (Arcade, N64 und SNES) orientierte.

Dessen Klasse erreicht “Pray For Death” zwar in keinem Bereich, es ist aber ein solides, PC-exklusives Prügelspiel, mit einer interessante Auswahl an Kämpfern, vielfältigen Special Moves und viel Liebe zum Detail.

“Pray For Death” ist heute noch/wieder für ein paar Euro bei GOG erhältlich.

YesterPlay: Last Blade (Arcade, SNK, 1997 / PC, DotEmu, 2016)

Als ich “The Last Blade” (ab jetzt TLB) zum ersten Mal in der Spielhalle sah, hielt ich es im Vorbeigehen zunächst für einen Abklatsch oder bestenfalls Spin-Off von “Samurai Shodown”, ließ den Automaten vorerst unbeachtet und widmete mich dem vermeintlichen Vorbild, das nur wenige Meter weiter stand. Erst als ich bei späterer Gelegenheit sollte mir klar werden, wie falsch ich gelegen hatte!

Auf den ersten Blick ist das Schwertkampf-Setting im späten feudalen Japan beider Spiele tatsächlich recht ähnlich, allerdings hat TLB einen etwas “realistischeren” Anspruch, statt der teilweise völlig abgedrehten Kämpfer aus “Samurai Shodown” wirken die Kontrahenten hier beinahe schon zu normal. Dafür steckt unglaublich viel Liebe in den Details und der ganzen Aufmachung des Spiels, angefangen von den Introsequenzen vor den Kämpfen über die unzähligen wunderschön gezeichneten Details der Arenen, die atmosphärische Hintergrundakustik, die oft eher auf Geräusche statt Musik setzt, das Spiel von Licht und Schatten in Moriyas Stage… Kurzgesagt, TLB ist ein durch und durch fantastisches Spiel, meiner Meinung nach eines der besten auf dem Neo-Geo! Ähnlich urteilt auch Karsten Uhl von videospielgeschichten.de, der das Spiels als würdigen Abgesang auf die Ära der Pixel-Spiele sieht.

Das Spiel war außer auf dem Neo-Geo bereits auf der Playstation und im Playstation Network verfügbar, ebenso auf der Wii Virtual Console und seit 2016 ist es endlich auch für den PC erhältlich (bei Steam, GOG und im Humble Store), bei Steam sogar mit Multiplayer über das Internet. Für Fans klassischer 2D-Prügelspiele ist es quasi ein Pflichtkauf, viel besser wurde keins mehr!

YesterPlay: Teenage Mutant Ninja Turtles – Tournament Fighters (Mega Drive, Konami, 1993)

Ah, die 1990er, die güldenen Jahre in denen es neue Prügelspiele hagelte wie Schläge in einer Ultra-Combo in “Killer Instict” und in denen die Teenage Mutant Ninja Turtles noch so richtig beliebt und allgegenwärtig waren. Was lag da seinerzeit wohl näher, als die 4 gepanzerten Mutantenreptilien, die bereits diverse sehr gute Sidescrolling-Prügler absolviert hatten, auch Kämpfe 1-gegen-1 austragen zu lassen? Klar: Nichts! Und so kam es, dass Konami 1993 NES, SNES und Mega Drive mit einem weiteren Prügelspiel beglückte.

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YesterPlay: Karnov’s Revenge / Fighter’s History Dynamite (Arcade, Data East, 1994)

Über “Karnov’s Revenge” (oder “Fighter’s History Dynamite”, wie es außerhalb Europas heißt) bin ich im Italien-Urlaub gestolpert. Wie ich bereits öfter erwähnte, gibt es dort nur ein paar Meter von Zuhause entfernt eine Bar, die früher immer ein paar Automaten im Hinterzimmer stehen hatte. Einer davon enthielt dieses Spiel. Und meine Fresse, was kostete mich der “Gettoni” (italienisch für “Münzen”)! 😀 Continue reading “YesterPlay: Karnov’s Revenge / Fighter’s History Dynamite (Arcade, Data East, 1994)”